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Neuer Blog – NEue Hoffnung – Neue Taten

Im Schatten der Ereignisse in der ZAD Rheinland am Anfang des Jahres ist ein neuer Blog entstanden, welchen wir hier empfehlen wollen. Dazu dokumentiren wir hier den Aufruf des Blogs.
Es finden sich dort spannende Texte und Sammlungen von direkten Aktionen gegen die kapitalistische Zerstörung. Dazu soll dort ein Verzeichnis von Verantwortlichen der kapitalistischen Zerstörung erstehen.
Es zeichnet sich in den letzten Monaten ein neuer Trend zu mehr und größeren Taten ab. Ob durch die Desillusionierung (dass der Staat es noch richten kann wenn mensch ihn nur stark genug dazu drägt) durch die Zerstörung des Staates des Dorfs Lützerath oder der vielen anderen sich zuspitzenden Krisen (Türkei-Wahl, Krieg gegen Rojava, Kämpfe im Sudan, Wasserprivatisierung,…) und des schon fast normal gewordenen Dauerzustand des neoliberalen Elends.
Lernen wir voneinander, nehmen auf einander Bezug und diskutieren unser vorgehen gemeinsam. Wir müssen wieder mehr Diskutieren und weiter Wissen teilen. Wir arbeiten momentan an Analysen zu den Kämpfen rund um die Räumung von Lützerath um eine aktuelle Grundlage für unsere Kämpfe zu bieten. Schreibt uns!

Es wird keine Rettung kommen, kein Konzern, keine Technologie und kein Staat wird eine Antwort auf die sozialen und ökologischen Krisen bieten. Der Klimawandel schlägt schon überall zu und die sogenante Klimakrise lässt sich nicht mehr aufhalten. Aber das bedeutet nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern als Revolutionär:innen in die offensive zu gehen und die Menschen von unseren Idee zu begeistern und ihnen zuzhören um gemeinsam soziale Kämpfe zu gewinnen.
Die Lösung kann nur lauten: organisieren und rebellieren!

Daher: Switch off – das System der Zerstörung nachhaltig angreifen.
https://switchoff.noblogs.org/post/2023/01/01/switch-off-aufruf-zur-revolte/

Die Gewissheit, dass das derzeitige System den Zusammenbruch des massiv geschädigten Ökosystems zur Folge hat, hat schon unzählige Menschen bewegt und in den Widerstand getrieben. Zehntausende gehen gegen das „Weiter-so“ der kapitalistischen Maschinerie auf die Straße, Menschen widersetzen sich massenhaft den zerstörerischen Großprojekten, die Infrastruktur des Systems wird blockiert und mutige Kämpfende setzen die Maschinen in Brand, mit denen ihnen die Lebensgrundlage geraubt wird. Was wir im Kampf gegen die Zerstörung der Natur und das resultierende soziale Elend brauchen, ist das gemeinsame Streben nach dem tatsächlichen revolutionären Bruch und der Freiheit aller. Nach einer Initiative, die alle Kompromisse und kosmetischen Korrekturen des Staates zurückweist und eine Transformation unserer sozialen Beziehungen herbeiführt. Denn die Zerstörung des Planeten durch das neoliberale Wirtschaftssystem ist untrennbar verbunden mit patriarchalen Denkmustern, Rassismus und Kolonialismus. Die Initiative dazu muss notwendigerweise von unten kommen. Aus den Kämpfen der Ausgegrenzten. Aus den Kämpfen derer, die gegen das staatliche Rettungsversprechen ein selbstorganisiertes, solidarisches Miteinander setzen. Aus den Kämpfen derer, die sehen, dass es keine Kompromisse im Kampf gegen die systemische Zerstörung der Biosphäre geben kann.

Dabei sollte uns auch klar sein, dass wir den schleichenden Zusammenbruch eines massiv geschädigten Ökosystems nicht komplett verhindern können. Nicht den Verlust von Biodiversität. Nicht die Ressourcen-Erschöpfung. Wir werden die Klimakatastrophe nicht verhindern können, da wir uns schon mittendrin befinden. Dies zuzugeben – ganz ohne Weltuntergangs-Pathos – lähmt uns nicht. Im Gegenteil: es sollte für uns und unsere Zusammenhänge die Frage öffnen, wie unsere Leben und unsere revolutionären Kämpfe zukünftig aussehen könnten.

So radikal und kompromisslos wie der vom Kapitalismus gemachte Klimawandel es erfordert, können wir kaum blockieren und sabotieren. Doch davon sollten wir uns nicht entmutigen lassen. Lasst uns im Kampf gegen die Ausbeutung die Infrastruktur des Kapitalismus hinterfragen, sabotieren und nachhaltig angreifen. Damit eine andere Welt möglich wird! Lasst uns solidarisch miteinander kooperieren, um ein würdevolles Leben leben zu können. Lasst uns unsere Ideen im Hier und Jetzt und schon innerhalb unserer Kämpfe und Aktionen realisieren. Wir werden uns nicht einlullen lassen von den Beschwichtigungsversuchen der Regierenden.

Gegen ihre technologischen Lösungen

Die von den Herrschenden angebotenen Lösungen für die nun spürbaren Auswirkungen der ökologischen Krise sind vor allem technologische. Dies ist offensichtlich auch durch Lobbyismus getrieben, aber vor allem ist es eine Strategie der eigenen Legitimierung. Die Entwicklung, Kontrolle und Anwendung der „Zukunftstechnologien“, die den Wachstumskapitalismus „nachhaltig“ machen sollen, liegen in der Hand von Staat, Industrie und Wissenschaft und sind mit diesen untrennbar verbunden. Wenn uns die Illusion verkauft wird, der Klimawandel wäre technologisch zu stoppen, dann liegt dem das Vertrauen zugrunde, die Machthabenden müssten nur die richtigen Schritte unternehmen, die richtigen Maßnahmen ergreifen, um diese Welt zu retten. Zum einen haben sie überhaupt kein Interesse an einem Ende des Expansionskapitalismus, der ihre Machtposition sichert. Und zum anderen ist die technologische Reform mit den neuen Abhängigkeiten, die sie produziert, ebenfalls zum Scheitern verurteilt. Beispielhaft dafür könnten die E-Mobilität oder Technologien zur Gewinnung sog. erneuerbarer Energien herangezogen werden. Die benötigten Rohstoffe werden häufig selbst im Zuge neokolonialer Umweltausbeutung beschaffen. Die Transporte dieser Rohstoffe und der Bauteile sind wiederum im hohen Maße abhängig von fossilen Energieträgern. Dadurch ist eine Umstellung der jetzigen Industrie auf erneuerbare Energien vor dem Versiegen der globalen Erdölvorkommen ohnehin undenkbar.

Wir können uns ihren Reichtum nicht mehr leisten

Egal welche Begriffe wir dafür verwenden, wir können uns den Reichtum der Reichen nicht mehr leisten. Der Kampf um den Klimawandel und dessen Auswirkungen bewegt sich entlang von Klassenfragen. Wer sind diejenigen, die aus den Krisen und Kriegen der vergangenen Jahre immer ihren Profit schlagen und ihre Vormachtstellung sichern konnten? Wer ist verantwortlich für den Großteil der Emissionen klimaschädlicher Gase? Es sind nicht die ohnehin schon Ausgegrenzten, die Geflüchteten und die Ärmeren. Es sind die Energiekonzerne, Banken und Rüstungsunternehmen. Es sind die Reichen, deren Dekadenz nur auf dem Rücken anderer existieren kann. Und es ist der Lebensstil von Massenkonsum und Ressourcenverschwendung der Gesellschaften im globalen Norden, welcher auf Annahmen und Ausbeutungsverhältnissen fußt, den wir ablehnen und bekämpfen sollten. Darum ist klar, dass ein Kampf gegen die Zerstörung der Natur auch die Zerstörung des Eigentums als Ziel haben muss. Zerstören wir die Infrastruktur des Reichtums für eine Welt in der alles allen gehört.

Das System nachhaltig angreifen

In unseren Kämpfen stoßen wir auf Widersprüche, die unsere eigenen Gewohnheiten und Denkmuster betreffen. Können wir uns Projekte und Welten vorstellen, die mit unseren patriarchalen Rollen, geschlechterspezifischer Unterdrückung und rassistischen Kontinuitäten brechen? Es bleibt wichtig, dass wir Vorstellungen entwickeln, wie ein solidarisches Miteinander in turbulenten Zeiten aussehen kann.

Die Regierenden, ob nun mit grünem Anstrich oder nicht, werden Vorstöße gegen ihre Pläne angesichts der Klimakrise mit zunehmender Härte beantworten. Sie kleben an fossilen Energien und am Dinosaurier der Atomindustrie. Sie kleben an der Lüge von der Rettung der Welt durch die erneuerbaren Energien. Sie verheddern sich in ihrer Greenwashing-Propaganda und sie werden umso autoritärer handeln, je mehr die Realität der Dinge ihre Versprechen in Frage stellt.

Wir denken, dass militantes Handeln und direkter Angriff in allen möglichen Formen, dabei ein wichtiges Mittel – wenn auch bei Weitem nicht das einzige – ist. Viele der bisher geschehenen Proteste, Demos, Sabotagen und Blockaden weisen in eine spannende Richtung. Wir denken, dass wir eine ernsthafte Bedrohung aber nur werden können, wenn wir die Kommunikation miteinander suchen. Wir schlagen vor sich unter der Parole „switch OFF! – the system of destruction“ aufeinander zu beziehen und so unsere Kämpfe in einen gemeinsamen Kontext zu setzen.

Unser Handeln muss deutlich machen, dass es keine kapitalistische grüne Alternative geben kann, keinen Frieden mit den bestehenden Verhältnissen. Lasst uns die glitzernde Fassade des (grünen) Kapitalismus zerlegen! Die Mittel wählen wir dabei selbst und keines steht in einer Hierarchie über einem anderen. Wir fänden es toll, wenn diese Idee Viele aufgreifen.

Dies soll kein Versuch der Vereinnahmung sein, sondern ein Aufruf, um weiter in die Offensive zu kommen und die bestehenden Kämpfe zu stärken. Lasst uns eine langfristige Aktionswelle in Richtung Revolte entfachen! Passt auf euch auf und seid mutig.

Switch off – das System der Zerstörung nachhaltig angreifen.

Für einen solidarischen Kampf unter katastrophalen Bedingungen – weltweit!

It has just begun…

Erste Einblicke in die letzten Tage einer Einzelperson des Kollektivs.

Am 2. Januar haben die Cops angefangen die Besetzung in Lützerath anzugreifen. Leider war das Dorf nicht auf einen Angriff am 2. Jnauar vorbereitet, da sich alles auf den 9./10. Januar als Rämungsbeginn fokussierte. Jedoch war der Widerstand an dem Tag am größten, wohl weil er so spontan und wild war. Die folgenden Tage bauten die Cops und RWE ein großes Feld auf, direkt vor dem Dorf im Tagebauvorfeld. Alle waren davon total überrascht, dass sie sich dort positionirten. Schnell stellte sich heraus, dass ihr Taktik darin bestand eine große Rampe an der Tagebaukante zu bauen um alles an Geräten und Material einfach durch die Grube direkt ins Dorf zu fahren. Etwas was niemensch hat kommen sehen und leider ein guter Schachzug der Cops und RWE war, der unsere Pläne größtenteils nutzlos gemacht hat.
In den folgenden Tagen gab es immer wieder Barrikadenräumungen, Aktionen und Auseinandersetzungen mit den Cops. Es wurde fleißig weiter an allen möglichen Stellen gebaut, gegraben und es kamen immer mehr Menschen die sich austoben und ausprobieren konnten. Nice! So viel wie in Lützerath konnten Menschen in so kurzer Zeit wohl seit der Mainzer Straße(?) nicht lernen. Leider wurde etwas zu wild gebaut und es gab wenig Struktur und Strategien in dem Bau der Barrikaden die gebaut wurden, sodass die Straßen dann fast zu voll waren mit Löchern und Stolperfallen. So war ein effektives Verteideigen von Barrikade zu Barrikade erschwert, da es sehr schwer war von A nach B zu rennen, weil überall Löcher, Barikaden und andere Strukturen als Stolperfallen im Weg waren. Lets organize and build smart. Teil uns dazu gerne eure Erfahrungen und Tipps.

Eine weitere Zuspitzung gab es dann beim letzten Dorfspaziergang am 9.1. Bis zu 7000 Menschen hielten sich an dem Tag im Dorf auf. Auf ganz mysteröse Weise gab es an dem Morgen eine Art Rohrbruch bei RWE, sodass sehr viel Wasser in den Tagebau floß und diesen an der Kante flutete. So kamen RWE und Cops mit Abbruchgefahr um die Ecke… Es schien allen sehr unwahrscheinlich das Menschen diese Infrasturktur sabotiert haben. Was aber nun wirklich passiert ist bleibt wohl ein Mysterium. Die Kundgebung die in der Nähe des Wasserausbruchs am Wendehammer geplant war, wurde jedoch nicht abgesagt, sondern auf den neuen Platz von Cops und RWE im Tagebauvorgeld verlegt, besser konnte es nicht laufen. So hatten wir das Tagebauvorfeld wieder fest im Griff an diesem Tag. Nachdem dann einige Gruppen einiges geplant hatten und anfingen neue Barrikaden und Gräben zu errichten gab es nach dem peotischen, schicken Konzert einer populären Band schnell dynamiken die wir für uns nutzen konnten. So konnte die Cops nach direkten Auseinandersetzungen zurückgedrängt werden und die Bauzäune an der Rampe in das Tagebauvorfeld ins Dorf gebracht werden. So blieben Bauzäune bis zum Schluss eine fast endlose Resource für uns. Dann wurden fleißig Barrikaden auf der Ramp gebaut.
Den Menschen vor Ort war das aber nicht genug und so wagten wir uns weiter vor in Richtung der Runinen von Immerath. Die Kommunbikationscops standen mit ihrem Auto im Weg und fühlten sich dabei sehr sicher. Das sollte sich schnell ändern, als einige Menschen in weißen Anzügen sich dieses Auto vor nahmen und es mit Farbe und Steinen eindeckten. Das brachte dann die vorher zurückgedrängte Hunderschaft an Cops wieder zurück, diese wagten sich aber nicht näher als Wurfweite an die wütenden Mob heran und sicherten nur den Rückzug der Kommunikationscops. Nach Jahren des “geährenlassens” gegenüber den Kommunikationscops der Dorfgemeinschaft ein wenig Genugtuung. Liebe Grüße an euch.
Es wurden weiter Barrikaden gebaut und als die Situation sich beruhige und viele sich aus dem Bereich zurückzogen griffen die Cops die Menschen nochnal an um ihr toxisches Ego nochmal zu befriedigen.


In den nächsten Tagen verließen viele Menschen das Dorf die anderen Aufgaben, beispielsweise im Unser Alle Camp (UAC), nachgingen und die Cops machten das Dorf dann dicht und bauten ihren erwarteten Zaun. Für diesen planierten sie rund um das Dorf einen etwa 20 Meter breiten Streifen, auf dem sie sich auch mit Autos und Wasserwerfern bewegten, die das ein oder andere mal festhingen, danke lieber Lössboden. Der Zaun bestand aus zwei Reihen Baunzäunen die etwas 4-6 Meter auseinander und jeweils besonders verstärkt waren, ein einfaches Umreißen mit Dominoeffekt war also nicht möglich.
Dem Kampf ums Dorf der Menschen die drin geblieben sind wollen wir uns nochmal detailierter an anderer Stelle widmen. Es war wild, es wurden Fehler begangen, aber es wurde auch mit so viel Mut gekämpft, wie sonst selten zu sehen ist. Es wurde alles geworfen was Mensch finden konnte. Und Menschen haben sich nicht brechen lassen und hielten dem psychischen Terror der Cops und RWE stand. DANKE das ihr an unserer Seite wart.

Es gibt noch viele andere Geschichten zu erzählen aus diesen Tagen, von mutigen Aktionen, dem unendlichen Support, der gegenseitigen Hilfe an allen Stellen, den nahezu endlosen Schichten oder von den verirrten Kommuniukationscops die völlig lost ihr Auto am UAC in Keyenberg haben stehen lassen… peng puff und es stand in Flammen.

Dann kam es zum 14.1. und der bürgerlichen Großdemonstration, die Zeichen standen schlecht, aber es wurde in allen Kreisen versucht alles zu mobilisieren was sich vorstellen konnte gegen die schier endlose Anzahl an Cops in die Felder zu ziehen. Die Stimmung am Vorabend ist schwer zu beschrieben, aber nach vielen Gesprächen kam auf einmal ein Gefühl von Revolution auf, was wohl die wenigstens schnonmal spüren konnten. So hieß es aus vielen Bezugsgruppen; wir gehen morgen nach Lützi, was sonst. Wir brauchen mehr davon, diese Kraft treibt uns an!
Wirklich organisieren ließ sich dieser Tag in so kurzer Zeit nicht, auch weil viele Menschen noch nebenbei das UAC in Keyenberg am laufen halten mussten. Negativ hervorgestochen sind mal wieder IL-Macker die meinten der Tag sei vorbereitet und es müsse keine autonome Organisierung statt finden. Seht es endlich ein, die Massen machen was sie wollen und nicht was sich ein paar Menschen ausdenken die den Ort und die Region gar nicht kennen. Und das ist die beste Strategie: einfach machen! So ist für uns klar, wer selbstoragnisiert ist, bleibt weiterhin am Besten vorbereitet. Don’t follow anyone. Think for your self. Organize.

Die gewünschten Dynamiken trafen ganz ohne zutun von irgendwem einfach ein und Menschen verließen die Demo einfach. Als die ersten Menschen auf die ersten Cops in den Felder trafen fingen diese dirket an klar zu stellen was heute ansteht: Prügel für alles was nicht wegrennt… Nach und nach stießen mehr Gruppen dazu und es konnte sich organisierter gegen die Cops gestellt werden. Jedoch hat der Tag gezeigt, dass wir als Bewegung keine Strategie und Antworten auf das Vorgehen der Cops haben. Wir müssen darüber dringend reden und uns von anderen Orten in Europa oder Südamerika inspirieren lassen. Trotz des Chaos und der absurden Matschschlacht gelang es der Masse an Menschen zweimal die Coplinien zu durchbrechen. Es folg allerleit Zeug was Menschen bei sich hatten und als das weg war formten Menschen einfach Matschbälle, die erstaunlich effektiv waren, da sie die Visiere der Cops verschmierten.
Als es dunkel wurde, die Kraft nachließ und wir es bis zum Zaun geschafft hatten, schien dieser nahezu unüberwindbar und weiter ging es dann leider nicht. Das ist aber auch okay, denn wir haben viel geschafft für die Verhältnisse und riots erlebt, welche die Klimabewegung wohl noch nie erlebt hat. Dazu kommt noch das RWE und der Staat alles aufgefahren haben was der Polizeistaat momentan hergibt. Das Fazit lautet für uns momentan es war gut, aber mit viel Luft nach oben wenn wir uns besser organisieren, mutig sind und Wissen teilen und dieses auch regelmäßig üben.
Achja da gibt es noch diesen einen Punkt, der uns teilweise verzweifeln lässt. Die “radikalen Pazifisten” oder wie auch immer diese Menschen zu bezeichnen sind, die teilweise konterrevolutionär gegen militante Teile des Protests gearbeitet haben, dazu brauch es wohl noch mehr Zeit um differenzierter Stellung nehmen zu können als; was zum Scheiß ist los mit euch!?…. Revolution funktioniert nicht indem wir bitte bitte lieber Staat rufen, sondern nur in dem wir ihn unnötigt machen und zerschlagen.

In diesen und den nächsten Tagen steht viel Anti-Repressionsarbeit und Anlyse an. Wenn ihr dazu eine Meinung habt, haut sie gerne raus ob auf Indymedia oder per Mail an uns, wir versuchen viele Perspektiven zu sammeln und wenn gewünscht auch auf unserem Blog zu veröffentlichen.

So sind in diesen Stunden unsere Gedanken bei den Menschen die traumatisiert wurden und/oder immer noch hinter Gittern sitzen. Wir sind bei euch! Ihr seid bei uns!
Wir vergessen euch nicht, wir sind für euch da, wir machen für euch weiter und wir bringen eure Trauer und Wut auf die Straße. Burn this shit down!

It has just begun… we will not stop fighting!
Die Revolution in Lützerath lebt weiter!

Weiterführender Link mit einem Überblick über Aktionen:
http://dvqlamnbbzli62qfyt5faspxunueqdxc4csrslhcp2z3haiflnrn6dqd.onion/node/251603

Im Nagellosen Finger von Ende Gelände

Bei der Veröffentlichung haben wir den Text leider nur überflogen und jetzt dank dem Magazin Swing haben wir ihn nochmal gelesen und erst jetzt die Schlagkraft des Textes verstanden. Gerade da ab Montag (5.12.) die ersten (Klima-)Besetzungen gerodet werden sollen(@leinenmarschenbleibt) und auch für uns die heiße Phase jetzt beginnt, wo doch der Staat nun alles für den großen Schlag Anfang Januar vorbereitet und vor allem gerade auf Spaltung der Bewegung und einer Vorbereitung dieser hinarbeitet.
Alle Versuche wurden in den letzten Monaten/Jahren getätigt und sind, wie zu erwarten war, gescheitert. Dann kommt wohl doch das, was wir schon lange propagieren: die Verteidigung der Revolution ist Handarbeit und findet nicht in Parlamenten, Gesprächen oder social media statt, sondern mittels diversity of tactics im Rheinland, Heibo und Hannover.
Und wenn wir uns darauf einstellen und entsprechend vorbereiten, sind wir der Gewalt die auf uns zu rollt nicht hilflos ausgesetzt. Wenn wir ihr uns bewusst stellen, dann sind wir auch in der Lage ihr zu trotzen und Auseinandersetzungen zu gewinnen.

Stellen wir uns ihnen entgegen, auf unseren Spielfeldern.

PS: Checkt auch die weiterführende Texte unten.

Eine Bank im Osterholz Wald auf der mit weißen Stift wake up and rebel geschrieben steht
“wake up and rebel” auf einer Bank im Osterholz Wald

Gefühle und Gedanken niedergeschrieben, damit wir alle ein kleines bisschen mehr Kraft haben die bittere Gesamtscheiße nicht länger zu ertragen, sondern voller Mut zu zerschlagen.

Ende Gelände 2022, hunderte Menschen wandern mit irgendetwas gefüllt, vielleicht Wut, vielleicht Aufregung, vielleicht ist auch nichts gefüllt außer ein paar Rucksäcken, Richtung Hamburger Hafen Logistik. Spannung hängt in der Luft, denn bald gibt es auf die Fresse. Dit wissen alle hier. Zumindest können dies die Vorausdenkenden unter uns erahnen, denn wer „relevante Infrastruktur“ blockieren will, der legt sich mit dem Staat auf eine Art und Weise an, die der Staat nicht witzig findet. Später wird gesagt, dass wir alle nicht damit gerechnet haben, jedoch müssen wir uns eingestehen, dass wir es die ganze Zeit hätten wissen müssen. Jedes Jahr wurden Menschen im Finger von Ende Gelände vom Staat und seinen bewaffneten Gangs misshandelt. Es ist immer nur die Frage wen es trifft, wann und wie hart.
Dieses Mal trifft es uns mit Giftgas in den Augen, sodass wir schreien und glauben wir würden nie wieder sehen können. Zum Glück haben wir die Bilder von unseren Liebsten im Gedächtnis, welche uns Kraft geben, doch was bringt uns das, wenn unsere ganze Aufmerksamkeit nur noch den Schmerzen gilt. Unsere Arme und alle anderen freien Hautstellen brennen wie Feuer. Wenn wir unsere Augen später wieder aufmachen können, sind wir hoffentlich nicht komplett verbrannt, denn es fühlt sich tatsächlich so an als ob unsere Körper in Flammen stehen. Außerdem bluten unsere Gesichter, da wir blöderweise ohne Helm in eine Massenschlägerei spaziert sind. Unsere Rippen schmerzen höllisch. Wir können nur hoffen, dass sie nicht gebrochen sind. Kurz nachdem wir rausfinden, dass von den Cops nicht nur Pfefferspray auf uns geschossen wurde, sondern eine Mischung Reizgas, welche durch Wasser schlimmer wird, fahren die Arschlöcher die Wasserwerfer*innen auf. Unsere Psyche wird gebrochen und die Schmerzen knallen richtig rein, so heftig, dass einem schwindelig und übel wird. Die ganze Situation erinnert an Massenschlägereien von Fußball Hooligans bei denen sich zwei Gruppen treffen und ordentlich die Rübe einhauen. Sie verabreden sich, genau wie wir, für eine riesige Schlägereiparty. Aus irgendeinem Grund haben wir nur leider vergessen, dass wir uns für die Aufsdiefresseparty verabredet hatten. Eigentlich wollen wir hier auch niemanden verprügeln und doch sind wir mit den Cops hier zusammen gekommen und jetzt lassen wir uns, so wie es das Drehbuch vorgibt, mal so richtig misshandeln, bis auf die Knochen fertig machen… Scheiße ey, das kann doch nicht unser Ernst sein. Und als wäre das nicht alles bescheuert genug müssen wir feststellen, dass wir einen Hafen blockieren, der im Streik ist. Die Arbeiter*innen, welche am Wochenende immer freiwillig arbeiteten, melden sich seit Wochen einfach nicht zur Arbeit (Probs), wodurch in der Elbmündung 25 Schiffe warten und bereits notversorgt werden müssen, weil der Hamburger Hafen aktuell komplett überfordert ist. An dem Tag unserer Besetzung wäre also so oder so kein einziges Schiff unter der Brücke durchgefahren.
Die ganze Aktion war also wie zu oft rein symbolisch. Der einzige Erfolg ist dementsprechend, dass evtl. gute Pressebilder/-Artikel entstanden sind. Leider bringt aber auch das nicht wirklich viel auf dem Weg zur LNG freien Welt, weil Pressebilder und Artikel nicht ausreichend dazu beitragen können, dass Menschen in Machtpositionen aufhören LNG oder andere Scheiße zu importieren oder exportieren, geschweige denn den Kapitalismus beenden. Damit dies geschieht müssen wir, also alle die wissen wie scheiße die Gesamtscheiße ist, den Weg des ‚Pressebilder Erzeugen’ verlassen und uns darauf fokussieren in der realen Welt Taten auszuüben, die wirklich etwas verändern. Diskurse in der Presse sind nett, mögen uns Aktionist*innen schmeicheln und lassen uns im besten Fall mit dem, was wir tun, gut fühlen. Jedoch sind diese Diskurse keine physische Veränderung in der realen Welt. Das einzige, was sie können ist Informationen zu vermitteln. Aber ist die Welt wirklich in diesem Zustand, weil es nicht genügend Informationen darüber gibt wie Scheiße die Klimakrise ist? Oder liegt es nicht eher daran, dass es niemanden in Machtpositionen juckt wie viele Menschen über Klimakrise, Kapitalismus und Kolonialismus informiert sind? Es braucht mehr Direkte Aktion, welche wirklich Zerstörung stoppt und keine weitere symbolische Aktion für einen Diskurs, welcher nur in unseren Köpfen stattfindet.
Während sich nun die Wunden geleckt werden und darüber gefreut wird, dass Ende Gelände seine Aktionsziele erreicht hat, hat sich nichts an der realen Zerstörung unserer Mutter Erde und Ausbeutung der Menschen verändert. Das einzige, das sich real verändert hat sind unsere Körper, aufgrund der Gewalt die uns die Menschen ohne Menschlichkeit in Uniform angetan haben, sowohl physisch als auch psychisch. Dementsprechend können ich und meine Bezugsgruppe nicht fassen wie dumm wir uns hier vorkommen. Wir haben uns hier bei Ende Gelände im nagellosen Lila Finger (2) die heftigsten Schmerzen die wir je hatten zufügen lassen, damit wir 3 Stunden auf ner Straße rumsitzen, welche nichts blockiert und belügen uns selber indem wir die Aktion als super Erfolg verkaufen. What the heck. Dies war eine krasse Niederlage. Wenn wir nichtmal das sehen, werden wir niemals sehen können welche Schritte notwendig sind, damit wir eine Klimagerechte Welt erkämpfen die wir uns wünschen. Es wirkt auf uns noch mehr wie ein harter Rückschlag, denn all die Zeit, die Menschen in Ende Gelände und das Systemchange Camp rein gesteckt haben ist zu betrauern. Auch wenn wir all die Energie wertschätzen möchten und uns bei allen für all die harten Stunden Arbeit bedanken wollen. Es tickt eine Methane Climate bomb, jede Minute wird dieses System tödlicher und unumkehrbare Kipppunkte sind vor unserer Nasenspitze. Wir fragen uns aufrichtig mit Schmerzen im Herzen, was wohl 3000 Menschen, welche gezielter organisiert wären, hätten schaffen können, um den fossilen Kapitalismus und (Neo-)Kolonialismus im Hamburger Hafen und darüber hinaus nachhaltig zu sabotieren und damit zu schädigen?
Der Grüne Finger (3), mit angespitzten Fingernägeln ist sicherlich ein guter Anfang, ein verdammt guter Start, weil ca. 300 Menschen, die ungestört auf einer Baustelle werkeln können und nach 6 Stunden getaner Arbeit mit dem Soli-Bus nach Hause tuckern, ist einfach nur der absolute Oberhammer, welcher Bewunderung verdient. Leider ist dies keine Methode, welche Kleingruppen täglich oder zumindest regelmäßig einfach organisieren können. Wie wäre es allerdings mit weniger als 100 Menschen los zu ziehen und die Sabotage an der Zerstörung dieser Welt zum alltäglichen Modus zu machen. Selbst 1, 2, 5, 10, 20, 30 oder 40 Menschen können eine Baustelle, oder eine in betrieb genommene tödliche Industrie langfristig lahmlegen. Schauen wir zum Beispiel über den Atlantischen Ozean nach Kanada, wo im Kampf der Wet’suwet’en gegen das Coastal GasLink (CGL) Pipelineprojekt eine Baustelle nachhaltig zerstört wurde (1). Wir sind nicht ohnmächtig, sondern mit etwas mehr Mut und Cleverness, haben wir alle Macht der Welt uns dem mörderischen System entgegenzustemmen.
Darüberhinaus ist zu betonen, dass wir natürlich nicht wissen was genau der richtige Weg ist. Vielleicht ist es genau richtig, dass wir uns jedes mal wieder möglichst crazy Polizeigewalt geben und machtlos über uns ergehen lassen. Wie wäre es, wenn wir nächstes Mal alle mit gebrochenen Rippen und Beinen im Krankenhaus liegen? Vielleicht wäre dies der Durchbruch auf dem Weg zur Revolution, da unsere Mütter, Väter und alle anderen Menschen, die uns lieben, daraufhin aufbegehren und die Zäune und Maschinen der Orte des Verbrechens an der Menschheit und Mutter Erde niederreißen. Leider zeigt die Erfahrung der letzten Jahre nicht, dass Menschen Anteilnahme an unserem persönlichen Leiden nehmen und daraufhin selber aktiv werden. Unsere Eltern sind mehr oder weniger desinteressiert, sie haben uns im Stich gelassen. Unsere Freund*innen von früher studieren, machen Ausbildungen oder gehen der Lohnarbeit nach als wäre alles ganz normal und wir bloß „etwas duschgeknallt“. Noch desinteressierter ist der Rest der Menschen. Dementsprechend kann der Weg des: „auf Empathie der anderen hoffen, bis wir eine Mengenbewegung sind“, vergessen werden. Diese Geschichte glauben nur noch jene die sich selbst belügen, oder den Lügen von Erica Chenoweth glauben. Lest gerne Peter Gelderloos (4) „Wie Gewaltfreiheit den Staat schützt“ und recherchiert selber. Lass euch vom Text „Der Zahnlose Tiger“ (5) inspirieren und lasst uns neue Wege finden. Lasst euch von vergangenem Widerstand inspirieren und vom Widerstand, der aktuell weltweit passiert. Von Hong Kong über Myanmar und Rojava weiter bis ins Niger Delta und zu den Zapatista, Yukpa, Mapuche, bis hoch in den Norden zu den Wet’suwet’en, Standing Rock und vielen weiteren wiederständigen Kräften an unzähligen Orten auf dieser Welt.
Unser Bauchgefühl erzählt uns eine neue Geschichte. Es grummelt tief in uns. Schmerzen verbündeln sich im Magen und verwandeln sich in Trauma, sodass wir auch Verletzungen und Stress verspüren, noch lange nachdem die vom Reizgas der Cops brennenden Arme, Beine und Augen wieder erloschen sind. Diese Gefühle werden vom tiefsten Inneren unserer Körper an die Oberfläche getragen. Wir verspüren am ganzen Körper ein Kribbeln mit dem Wissen, dass wenn wir uns umdrehen und den bisher gegangenen Weg verlassen, neue, ungekannte, oder lange vergessene Wege vor uns liegen, welche die Wege des Triumphes sind. Wir sind uns sicher, dass es Wege geben muss, die zu unserem Ziel führen, auch wenn wir sie noch nicht gefunden haben. Sie muss es geben, denn auch andere Menschen haben in der Vergangenheit und Gegenwart Wege beschritten, die zu Veränderungen oder sogar zur Revolution geführt haben und nicht nur zu gebrochenen Rippen. Lasst uns den Grünen Finger feiern und in der Nacht in kleinen Banden daran anknüpfen.

Wir schicken euch die Kraft die ihr braucht und den Mut den ihr sucht.

Love and Riot,

Einige Unbekannte die mit euch kämpfen

  1. https://zuendlappen.noblogs.org/post/2022/02/17/wetsuweten-territorium-kanada-baustelle-der-coastal-gaslink-pipeline-verwuestet/
  2. Youtube: Haben Klima-Aktivisten Pfefferspray gegen Polizisten benutzt? (NEIN) Ende Gelände 2022 Teil 2
  3. Youtube: Sabotage gegen LNG Terminals? Ende Gelände 2022
  4. https://black-mosquito.org/de/peter-gelderloos-wie-gewaltfreiheit-den-staat-schutzt.html
  5. https://hambacherforst.org/blog/2022/02/08/der-zahnlose-tiger-gedanken-zur-aktionsform-der-menschlichen-blockade/

Aufruf zur Bildung von anarchistischen Gruppen in verschiedenen Städten der Welt

Wir haben versucht ohne Kenntnisse der Sprachen die im sogenannten Iran und Afghanistan gesprochen werden den Aufruf vom 14.11.22 von The Anarchist Union of Afghanistan & Iran (Twitter: @anarshist, Facebook: facebook.com/TAUAI, Instagram: nstagram.com/anarchist_union, Telegram: t.me/joinchat/RRUTo6xyoT468fgO) zu übersetzen. Unser Anspruch dabei ist nicht eine möglichst gute oder genaue Übersetzung, sondern den Inhalt des Aufrufs zugänglich zu machen und zu teilen.
Wenn ihr Kritik am Vorgehen oder der Übersetzung habt, dann schreibt uns gerne und helft uns diese zu verbessern.

Auf das die Wut zu Aufständen und diese zur Revolution werden! Liebe und Kraft an alle Freiheitskämpfer*innen!

– Anarchists in Lützerath am 17.11.22

Jin Jiyan Azadî – Frauen/Queers, Leben, Freiheit – Banner in Lützerath

Inmitten der iranischen Volksrevolution und des voreingenommenen Kampfes des kriminellen Regimes der „Islamischen Republik“ und all ihrer westlichen und östlichen Unterstützer*innen gleichzeitig mit der Neugruppierung der Taliban in Afghanistan das Wachstum des Faschismus und des Erdogan-Extremismus im Nahen Osten

Inmitten der iranischen Volksrevolution und des voreingenommenen kriminellen Regimes der „Islamischen Republik“, sowie all seiner westlichen und östlichen Anhänger*innen, der Taliban in Afghanistan, dem wachsendem Faschismus des Erdogan-Extremismus im Nahen Osten und Dutzender anderer: Die Union der Anarchisten des Iran und Afghanistans, Teil der Selbstorganisation der Föderation des Zeitalters des Anarchismus, ruft alle anarchistischen Genoss*innen aus verschiedenen Regionen der Welt auf, anarchistische Gruppen zu gründen, um an Volksprotesten und Demonstrationen teilzunehmen und sie zu veranstalten.

Mehr denn je scheint die internationalistische Präsenz von emanzipatorischen Kräften bei Volksprotesten und Demonstrationen auf der ganzen Welt lebenswichtig und notwendig zu sein. Insbesondere mit dem Aufstand des iranischen Volkes fanden und finden weltweit viele Proteste und Demonstrationen statt.

Aber diese haben immer noch keine eigene internationalistische Form gefunden. Aber welche Kraft glaubt wirklich mehr an Internationalismus und öffentliche Präsenz gegen Macht und Souveränität als Anarchisten und was bedeutet das wirklich? Insbesondere sind die, die an sie glauben und in Übereinstimmung damit handen, nicht Anarchist*innen, sondern wir. Also rufen wir euch auf, Gruppen verschiedener anarchistischer Tendenzen und mit einer beliebigen Anzahl möglicher Menschen in der Stadt und dem Land, in der ihr seid, zu schaffen:

1. Da der Schwerpunkt bei den Protesten auf dem internationalistischen Gesicht liegt, werden unsere Angriffe und Proteste auch auf verschiedene Autoritätspunkte in der Welt und insbesondere im Nahen Osten gerichtet sein

2: Auch wenn der Iran und Afghanistan in diesem Jahr lediglich nur zwei Prozent der Nachrichten im Nahen Osten waren, werden unsere Proteste nicht nur für diese beiden Länder sein.

3. Unsere Teilnahme an den Demonstrationen erfordert Solidarität und diese Solidarität muss mit kleinen anarchistischen Gruppen in verschiedenen Städten geschaffen werden.

4. Anarchistische Gruppen können mit einer großen Anzahl von Menschen, aber auch mit weniger Menschen und sogar nur mit einer Person, gebildet werden.

5. Was die Bildung dieser Gruppen vorraussetzt, ist die Koordination und Solidarität mit anderen Gruppen, die in verschiedenen Städten gebildet werden.

6. Unsere Teilnahme an den Protesten wird mit anarchistischen Fahnen und Abzeichen erfolgen, denn bei den Demonstrationen ist die Bedeutung der Präsenz größer als die bloße Teilnahme.

Die Anarchistische Union des Iran und Afghanistans ist bereits eingeschritten, um diese Gruppen zu bilden, aber da wir glauben, dass Anarchist*innen überall sind, auch wenn sie nicht gesehen werden. Wir wollen zur Solidarität aufrufen, indem wir unsere Kommunikationsadressen, Einzelpersonen, Gruppen und präaktiven Gruppen in verschiedenen Städten zur Verfügung stellen. Um sich zu verbinden, Solidarität zwischen städtischen Gruppen und unsere Koordination in Demonstrationen aufzubauen, nehmt Kontakt mit uns auf.

Redebeitrag “Rabatz aufm Platz” – Berlin

Die Rede wurde für eine Veranstaltung von der Prachttomate Berlin Gemeinschaft am 3.11. geschrieben. Wir wollen sie auch hier zur Verfügung stellen und freuen uns wenn sie an andere Stelle auch benutzt wird: Rede Berlin

Diese Rede wurde von dem Anarchists in Lützerath Kollektiv geschrieben. (Und wird hier von einer Person die nicht zum Kollektiv gehört vorgetragen – danke)
Wir sind ein kleiner Zusammenschluss von Anarchist*innen in der ZAD Rheinland und kämpfen hier gegen die Klimakrise. ZAD bedeutet aus dem Französischen übersetzt „zu verteidigendes Gebiet“. Die ZAD Rheinland ist ein Gebiet am westlichen Rand vom Braunkohletagebau Garzweiler 2. Lützerath ist ein Teil der ZAD und ein kleines Dorf direkt an der Kante, welches diesen Herbst von Cops und RWE zerstört werden soll.

Kriege und Krise um Krise zeichnen unsere Zeit. Kriegstreiber wie Russland und die Türkei oder Klima-, Corona- und nun Energiekrise bestimmen unser Leben. Krisen die wir nicht haben wollten und hauptsächlich von der autoritären Politik und den Konzernen erzeugt werden. Lohnarbeit die oft physische und psychische Ausbeutung darstellt. Preiserhöhungen oder neue Gesetze, die das Leben vieler immer schwieriger machen. Kriegerische Bedrohungen und Angriffe gegen unsere kurdischen Freunde in Kurdistan. All das dürfen wir uns nicht weiter gefallen lassen.

Und so haben wir uns vor einem Jahr dazu entschieden in Lützrath zu leben und hier gegen die Zerstörung der Region und die weitere Nutzung der immens umweltschädlichen Braunkohle zu agieren. Aufklärung und Organisierung von unten gestalten unseren Alltag. Kundgebungen und Demos, aber auch militante Aktionen und Sabotage spiegeln unseren Widerstand dar.
Dieser Kampf spitzt sich nun zu: vor 3 Wochen wurden die letzten Menschen aus dem Nachbarort Immerath vertrieben und die Bäume sowie Häuser dort vernichtet, sodass das Dorf dort nun einem Ödland gleicht. Und in wenigen Wochen will RWE unterstützt von Tausenden Cops unser Zuhause angreifen, uns vertreiben und auch Lützerath zerstören, um hier noch mehr Braunkohle aus dem Boden zu holen. Wir sind verdammt wütend!

Inflationen und damit steigende Preise, die Gasumlage, falsche Versprechen für einen günstigen öffentlichen Nahverkehr oder ein neues geschöntes Arbeitslosengeld 2. In der aktuellen Krise sehen wir, wie diese mal wieder, auf den Kosten der Menschen getragen wird, die meistens eh schon viele Probleme haben und kämpfen müssen um über die Runden zu kommen. Was bringt ein 49€ Ticket um durch das ganze Land zu fahren, wenn kein Geld für Unterkunft und Essen mehr übrig bleibt? Auch eine kleine Erhöhung und Umbenennung von Hartz 4 ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Brot bleibt trocken, das Wasser kalt.
Die Preise müssen runter! Der öffentliche Nahverkehr, genauso wie kulturelle Veranstaltungen müssen kostenlos sein, damit ein gesundes soziales Zusammenleben für alle ermöglicht wird. Die Mieten müssen auf ein realistisches und kostendeckendes Level gesenkt werden.

Seit hunderten Jahren leiden Menschen in der ganzen Welt unter weißer Vorherrschaft und Kolonialismus, die beides Antreiber der Klimakatastrophe sind. In Deutschland befinden wir uns dort, wo die neokoloniale Zerstörung einen ihrer Ursprünge hat. Gegen die Klimakatastrophe zu kämpfen, bedeutet nicht, für unsere Zukunft zu kämpfen, sondern dafür in der Gegenwart überleben zu können. Dabei werden diese Kämpfe schon seit Jahrhunderten im globalen Süden geführt. Dort verlieren jetzt jeden Tag Menschen ihr Zuhause, leiden Hunger oder sterben an den Folgen der Erderwärmung – organisieren sich aber international und Kämpfen in Dörfern und Städten für eine gerechte Umwelt. Dabei ist die Revolution der Zapatistas nur eins von vielen Beispielen.

Daher muss unser Antwort auf jede Krise intersektional sein. Wir müssen Kämpfe verbinden, auch wenn sie eine*n im ersten Moment nicht betreffen. So kämpfen wir in Lützerath gegen die Kohlemine von den Verbrechern von RWE, mit Einwohner*innen vor Ort, aber auch mit internationalistischem Anspruch. Denn es geht um viel mehr, als nur die paar Häuser zu retten, sondern darum ein gerechteres Leben möglich zu machen..

Aber wir stellen uns auch gegen Staaten und das kapitalistische Ausbeutungssystem, indem wir hier mit meist um die 100 Menschen leben und eine Form von gesellschaftlichem Zusammenleben organisieren indem wir Entscheidungen gemeinsam, basisdemokratisch und von unten treffen.

Wir alle, egal wo wir herkommen oder welchen Kampf wir führen, müssen uns zusammenschließen. Nur dann erschaffen wir eine soziale Bewegung, welche die kapitalistische Grundordnung ins Wanken bringen kann. Denn der Kapitalismus und die Politik der Staaten werden immer mehr und immer häufiger Krisen produzieren. Und dabei werden sie immer wieder versuchen diese Krisen auf unsere Kosten auszutragen. Organisieren wir uns also von unten, sodass alle unsere Bedürfnisse wahr genommen werden.

Kämpfen wir gemeinsam für ein besseres Leben in dem keine Menschen mehr ausgebeutet werden!

Aufruf zur Revolte

Update: 14.11.22. Übersetzung auf Englisch als pdf – Translation to english as pdf: A-Aufruf-ZAD_engl

Anarchistischer Aufruf aus der ZAD Rheinland
zum anstehenden Räumungsversuch

Es ist Anfang Oktober. Wir befinden uns mitten im Herbst., wir haben die entspannte Zeit im Sommer hinter uns. Und schon in wenigen Tagen kommt eine andere Zeit, eine die nicht mehr ruhig ist, in der sich nicht mehr stundenlang ausgetauscht werden kann. Eine Zeit in der wir schnell und aktiv handeln müssen. Und das nicht nur in Lützerath, dem von RWE bedrohtem Dorf am Braunkohle-Tagebau Garzweiler 2.

Schon bevor die Cops mit ihren zerstörerischen Maschinen und Schlägertrupps in der ZAD Rheinland auftauchen müssen wir überall handeln. Geht auf die Straße; protestiert, rebelliert, sabotiert, schlagt überall zurück, mobilisiert und bildet andere, damit diese auch zum Räumungsversuch agieren können. Lernt jetzt Skills und die Umgebung im Rheinland oder in eurer Stadt kennen um schnell und sicher agieren zu können. Wir können nicht mehr zulassen nur im „Kleinen“ Kämpfe zu führen. Wir müssen aus unserer (Klima-) Blase ausbrechen. Wir müssen endlich Brücken schlagen zwischen Arbeiter_innen, Migrant_innen, FLINTA*, sowie zu marginalisierten und unter Kapitalismus, Patriarchat und allen anderen Diskriminierungsformen leidenden Menschen.

Zu lange steht die anarchistische Szene in diesem Land sich selbst im Weg. Hängt irgendwie noch am Zipfel der sogenannten linken Szene. Lasst uns das Beenden, denn Revolution liegt in der Luft, sie ist nahezu greifbar und das nicht nur in der Community in Lützerath. Es brauch nur mutige Rebell_innen, die den Anstoß geben. Lasst keine Polizeiwache oder Parteibüro unberührt, lasst keine Autos mehr durch die Straßen fahren, blockiert alles, legt jede Arbeit nieder, geht in den Streik. Und das nicht nur wenn ihr in einem Bereich arbeitet oder lebt der vom Klimawandel betroffen ist. Hinterfragt eure Privilegien, die euch das überleben in dieser Welt oft einfacher machen, denn die meisten Menschen haben diese nicht. Es liegt an uns allen etwas zu verändern. Wenn wir alle am gleichen Strang ziehen können die Herrschenden uns nicht aufhalten. Trefft euch, organisiert euch, baut soziale Räume und Selbstversorgung auf. Organisiert Bildung für euch und andere. Geht auf Bedürfnisse und Ängste ein und verdrängt diese nicht als belanglose Randerscheinungen, denn wenn wir auf unsere Bedürfnisse achten und unsere Ängste überwinden werden wir unbezwingbar.

Wir brauchen aber auch Rebell_innen die Teil der Community in der ZAD Rheinland werden, egal ob in Unser aller Wald/Keyenberg, im Hambi, in Lützerath oder woanders in der Umgebung. Kommt vorbei und werdet Teil der Revolution hier. Wir versuchen hier die Dinge anders zu machen, um neue Schritte zu wagen. Dabei wollen wir alte Strukturen hinterfragen und hinter uns lassen, damit wir neues ausprobieren können. Hier, in Lützerath, wird der Kampf am härtsten sein und es ist kein Kampf nur gegen RWE, sondern ein Kampf der sehr viele Perspektiven anderer sozialer Kämpfe mit einander verbindet. Kämpfe für Wohn- und Freiräume, Kämpfe gegen Diskriminierungen und für Gerechtigkeit, aber auch Kämpfe für ein neues, selbstbestimmtes und von unten organisiertes Leben, an dem alle teilhaben können. Ein Leben ohne kapitalistische Ausbeutung und Zerstörung.

Auch hier läuft bei weitem nicht alles perfekt. Daran müssen wir gemeinsam Arbeiten Auf das Lützerath nicht nur als eine Klimabesetzung in den Köpfen bleibt, sondern als ein weiterer Schritt, welcher hier täglich stattfindet, im Prozess der Revolution. Wir bilden Freundschaften und Banden, sodass unsere Community jeden Tag stärker wird. Wir glauben an Revolution, wir tragen diese in unseren Herzen und leben diese jeden Tag ein Stück mehr.

Zum Schluss wollen wir nochmal darauf hinweisen, dass die Kämpfe in der ZAD Rheinland nicht die einzigen Orte des Wiederstandes sind. Viele andere Waldbesetzungen sind auch räumungsbedroht. Genauso wie die wenigen Hausbesetzungen die es in der sogenannten BRD gibt auch immer wieder bedroht sind oder mit dem Mangel an Kapazitäten kämpfen. Dazu kommen noch die vielen Kämpfe in anderen Teilen der Welt, die verstanden haben was auf dem Spiel steht und rebellieren.

Schließt euch den Kämpfen also an, egal wo sie statt finden, dieser Herbst muss heißer als heiß werden. Führen wir dabei die Kämpfe intersektional und unterstützen uns dabei gegenseitig.

Werdet ein Teil der Revolution! – Egal wo, rebelliert!

Anarchists in Lützerath. 7. Oktober 2022

 

Ein Beispiel zur Revolte kann der Dezember 2008 in Athen/Griechenland sein, siehe Seite 65ff aus:
https://librifelis.noblogs.org/files/2022/03/totale-befreiung-inhalt.pdf

ZAD Rheinland – We will fight!

Es ist soweit, der erste Oktober ist gekommen. Sonne und Regen wechseln sich heute so schnell ab, wie auch die Stimmung im Dorf zuletzt oft. Menschen die nicht mehr hier sein können oder auch Menschen die wir verloren haben. Viele anstrengende Prozesse. Wir haben hier viel durchgemacht in den letzten Monaten, dass hat viel Kraft gekostet. Und hat auch leider dazu geführt, dass wir bei weitem nicht alles geschafft haben, was wir uns vorgenommen haben. Aber es hat uns auch immer wieder gezeigt; egal wie schwierig die Zustände werden, wir halten zusammen und sind unaufhaltbar. Das haben wir erst vor wenigen Tagen gezeigt, als ein übergriffer cis Typ, nachdem er vor einigen Monaten ausgeschlossen wurde und trotzdem hier aufgetaucht ist, von der Community aus dem Dorf geworfen wurde. Nutzen wir diese kollektive Stärke, diesen unbezwingbaren Willen. Schaffen wir also was, was niemensch uns zutrauen wird und wovor die Herschenden unendlich Angst haben. Rebellieren wir! Wild, frei und voller Freude auf das was danach kommen wird.

Wir befinden uns also in der Rodungssaison. Es wird zu dieser Zeit immer viel diskutiert und spekuliert . In erster Linie bedeutet diese Zeit viel Stress und Retraumatisierung. Aber es bedeutet auch, dass jetzt die Zeit gekommen ist um nach Lützerath zu kommen. Schließt euch jetzt der Revolution an!
Wir brauchen euch alle, egal mit welcher Motivation ihr in die ZAD Rheinland kommt. Denn: Die Zeit der Gespräche und Verhandlungen ist vorbei. Die Zeit in der wir uns in Blockaden gesetzt haben ist vorbei. Der Klimawandel ist längst unhaufhaltbar hier. Wir befinden uns im Climate Endgame.
Eine Krise jagt die nächste Krise. Wir müssen uns von den Privilegien und dem Luxus verabschieden. Und stehen vor einem Scheideweg… weiter Aktivismus für das gute Gewissen oder Revolution für das gute Leben für alle? Schule, Studium, Arbeit? Was hilft das gesicherte Leben im Kapitalismus gegen den Untergang der modernen Welt. Und wollen wir dabei mit kapitalistischen Fesseln um unseren Armen zusehen oder wollen wir uns dem entgegen stellen?
Uns ist natürlich bewusst, dass langfristig hier sein zu können nur funktioniert wenn mensch eine gewisse priviligierte Position hat. Wer Familie oder Freunde hat um die sich mensch kümmern muss und die versorgt werden müssen, kann nicht so einfach her kommen. Daher ist es um so wichtiger, dass alle die es können das auch tun.

Baut mit uns die Strukturen auf/aus. Lassen wir nicht zu, dass die Revolution in Lützerath angegriffen werden kann. Die Cops sollen hunderte, tausende Fäuste sehen die sich gegen sie erheben. Das einzige was sie von Lützerath sehen sollen ist der Hass, die Wut, auf das bestehende tödliche System. Die Angst, welche wir vielleicht noch in uns haben, werden wir verlieren wenn die ersten blauen Lichter an Horizont auftauchen und wir Hand in Hand auf der Barrikaden die Flammen der Revolution schüren.

Damit wir alle viele Leute in die ZAD Rheinland mobilisieren können haben wir etwas Material erstellt, teilt oder druckt es aus, hängt es in eurer Stadt auf, lasst alle wissen: es findet eine Revolution in Lützerath statt und wir alle müssen sie verteidigen!
MOBI VIDEO
MOBI VIDEO (direct link)

Bijî berxwedana Lützerath !

Es lebe die Revolution in Lützerath !

 

 

 

Anbei ein paar Texte, welche wir geschrieben oder gefunden haben, die euch inspirieren sollen warum und villeicht was wir ändern müssen als Bewegung:

 

Wohin gehen wir und waswollen wir eigentlich? Über die Klimabewegung und wo sie hin kommen kann

Dem Staat und den Cops keine Macht geben: Warum wir vom Räumungsversuch sprechen müssen

Warum wir uns nicht auf den Staat verlassen dürfen: Der Fall Lützerath

Staat Land Frust – Möglichkeiten des selbstbestimmten Lebens

Der zahnlose Tiger – Gedanken zur Aktionsform der menschlichen Blockade

 

https://de.indymedia.org/node/198862

https://de.indymedia.org/node/221402

https://de.indymedia.org/node/220077

https://de.indymedia.org/node/215075

https://de.indymedia.org/node/213515

 

Übersetzung: Damit Amerika leben kann muss Europa sterben

Uns wurde anonym eine Übersetzung zugesendet, die wir euch hier zur Verfügung stellen wollen. Sie steht auch als Druckversion als PDF zur Verfügung: PDF

 

Vorwort zur Übersetzung

Die sich gerade wieder einmal im Aufwind befindende Umweltbewegung hat sich als eines ihrer zentralen Ziele die sogenannte “Klimagerechtigkeit” auf die Fahnen geschrieben. Gemeint ist damit – zumindest vordergründig –, dass die Folgen der globalen Erwärmung weder auf dem Rücken kommender Generationen, noch auf dem Rücken der global benachteiligten Bevölkerungen des sogenannten globalen Südens (eine Abstraktion, die das Problem nicht korrekt zu beschreiben vermag) ausgetragen werden sollen. In der Praxis bleibt dieses Ziel jedoch nichts als ein Lippenbekenntnis, würde es doch die totale Subversion nicht nur der bestehenden Verhältnisse, des Kapitalismus und des Kolonialismus bedeuten, sondern auch die Abkehr von dem, was man vielleicht die europäische Lebensweise nennen könnte. Und das lässt die sogenannte “Klimagerechtigkeitsbewegung” definitiv vermissen. Schlimmer noch: Indem weite Teile dieser Bewegung als eine Art (außer-)parlamentarische Lobbyorganisation für die Industrien erneuerbarer Energien auftreten, indem sich militante Zusammenhänge dieser Bewegung häufig der Politik mithilfe des Hammers für erneuerbare Energien verschreiben, macht sich diese Bewegung vielmehr zu Kompliz*innen einer unverändert kolonialen Industrie, deren globale Player, um die Ironie perfekt zu machen, zudem die gleichen Akteure sind, wie jene, die von den petrochemischen und nuklearen Prozessen der Zerstörung und des Genozids profitieren. Dabei erfüllt sie die mehr als schmutzige Aufgabe, sämtliche Zweifel innerhalb der Bevölkerungen des globalen Nordens entweder durch die Verstärkung eines Gefühls der Alternativlosigkeit zu zerschlagen oder aber erfolgreich in eine rechte Ecke zu stellen. Indem sich etwa über Bevölkerungen, die in ihrer Nachbarschaft keine Windräder oder Solarfelder wollen, erhoben wird und deren Widerstand als egoistisch und unsolidarisch verworfen wird. Aber ist es solidarischer einer Industrie in die Gänge zu verhelfen, die mit ihren Minen zum anhaltenden Genozid indigener Bevölkerungen beiträgt, die koloniale Versklavung betreibt und Regionen von kaum zu überblickender Größe in unbewohnbare Wüsten verwandelt, Grundwasservorräte ganzer Subkontinente sowohl aufbraucht, als auch vergiftet und auch die letzten unberührten Wälder dieser Welt in lebensfeindliche Plantagen verwandelt?

Die sogenannte “Klimagerechtigkeitsbewegung”, sie erweist ihrer angeblichen “Gerechtigkeit” also vielmehr einen Bärendienst. Das ist angesichts ihrer Ursprünge nicht sonderlich verwunderlich. Entstanden aus der Mittelklasse westlicher Bevölkerungen, behält sie freilich auch vor allem deren Interessen im Auge. Und gerade die jüngste Welle, die wohl ganz gezielt von einem kapitalistischen Machtblock mit aufgebaut und infiltriert wurde, verfolgt sogar mehr noch als bloß die Interessen der westlichen Eigenheimbesiter*in die Interessen einer Industrie, also folglich vor allem die Interessen einer kleinen Minderheit an Kapitalist*innen.

Aber warum ist das so? Warum lässt sich diese Lüge so beharrlich aufrechterhalten. Gewiss: All jene, denen die Auswirkungen dessen, was die Klimabewegung da vertritt mit brutaler, tödlicher Gewalt vor Augen geführt wird, jene die Opfer der fortgesetzten kolonialen Genozide werden, sie sind nicht hier, nicht unter den Angehörigen der Klimabewegung und das wird sich logischerweise niemals wesentlich ändern. Selbst dann nicht, wenn es der Klimabewegung gelingen sollte, ihre rassistischen und sexistischen Diskriminierungsmuster, die sie aus der Gesellschaft, aus der sie sich rekrutiert, ererbt hat, zu überwinden. Aber auch ohne die physische Anwesenheit wäre es schließlich möglich, sich wirklich solidarisch – und das meint jenseits der Lügen vom Segen erneuerbarer Energien in Worten und Taten – auf jene zu beziehen, die anderswo auf der Welt darum kämpfen, dem genozidalen Voranschreiten des Fortschritts zu entrinnen. Nicht jedoch, wenn man seine eigene europäische Lebensweise als etwas betrachtet, das allen Menschen übergestülpt werden sollte, ja nichteinmal dann, wenn man selbst nicht bereit ist, diese Lebensweise und den aus ihr resultierenden Imperialismus und Kolonialismus effektiv zu bekämpfen.

Vor diesem Hintergrund hat Russell Means der hiesigen “Klimagerechtigkeitsbewegung” eine Menge mitzuteilen. Schonungslos benennt er die europäische Kultur und ihren Industrialismus als die wesentliche Triebkraft hinter den genozidalen kolonialen Eroberungsfeldzügen, die dazu dienen die notwendigen Materialien zu beschaffen, um die industrielle Maschinerie am Laufen zu halten. Schonungslos macht er klar, dass die angeblich revolutionären europäischen Bewegungen, vor allem der Marxismus, aber gewiss auch jeder fortschrittsorientierte Anarchismus, an diesem Prozess kolonialer Auslöschung nichts ändern werden.

Ungeachtet seines späteren Ausverkaufs an nicht bloß die europäische Kultur, sondern auch gleich deren Kulturindustrie im buchstäblichen Sinne, ungeachtet des Weges, den Russell Means schließlich einschlagen wird, sei es aus Verzweiflung, Resignation oder aus Fehlkalkül – darum soll es hier nicht gehen –, so transportieren doch die im folgenden übersetzten Worte von Russell Means nicht weniger Warhheit. Und auch wenn er diese Worte niemals an jene gerichtet hat, die die europäische Kultur so enthusiastisch verteidigen, wie die meisten jener, die sich heute in der sogenannten “Klimagerechtigkeitsbewegung” tummeln, so wird vielleicht wenigstens der Schatten dieser Worte, also diese verschriftliche Aufzeichnung, den oder die eine*n oder andere*n zum Innehalten und überdenken der bisher geglaubten, falschen Wahrheiten bringen.

Denn “Klimagerechtigkeit” kann sich nicht darum drehen, das Überleben der europäischen Kultur zu ermöglichen. Sie sollte sich vielmehr darum drehen, diese Kultur zu zerstören und an ihrer Stelle die einstige Vielzahl menschlicher Kulturen florieren zu lassen, die sich im Einklang miteinander und mit all den übrigen Lebewesen die Länderreien, auf denen sie gedeihen, teilen.

September 2022

 

 

Damit Amerika leben kann, muss Europa sterben

Eine Rede von Russell Means

Die folgende Rede wurde von Russell Means im Juli 1980 vor mehreren tausend Menschen gehalten, die sich aus allen Ecken der Welt für das Black Hills International Survival Gathering in den Black Hills von South Dakota versammelt hatten. Sie wird als die berühmteste Rede von Russell Means gehandelt.

Die einzig denkbare Einleitung für eine Erklärung dieser Art ist, dass ich die Schrift verabscheue. Dieser Prozess verkörpert an sich das europäische Konzept des “zulässigen” Denkens; was geschrieben steht, besitzt eine Wichtigkeit, die dem Gesprochenen verweigert wird. Meine Kultur, die Kultur der Lakota, besitzt eine Tradition des gesprochenen Wortes, daher lehne ich das Geschriebene für gewöhnlich ab. Es ist eine der Arten der weißen Welt, die Kulturen von nicht-europäischen Völkern zu zerstören, die Auferlegung einer Abstraktion über die gesprochenen Beziehungen eines Volkes.

Was du also hier lesen wirst ist nicht das, was ich geschrieben habe. Es ist das, was ich gesagt habe und was jemand anders niedergeschrieben hat. Ich erlaube das, weil es der einzige Weg zu sein scheint, mit der weißen Welt zu kommunizieren; durch die toten, trockenen Blätter eines Buches. Ich interessiere mich nicht wirklich dafür, ob meine Worte Weiße erreichen oder nicht. Sie haben bereits durch ihre Geschichte gezeigt, dass sie nicht hören können, nicht sehen – dass sie bloß lesen können (natürlich gibt es Ausnahmen, aber die Ausnahmen bestätigen die Regel). Ich interessiere mich vielmehr für die Indianer*innen, Student*innen und andere, die von der weißen Welt durch Universitäten und andere Institutionen verschlungen werden. Aber selbst dann ist das nur eine sehr beschränkte Art von Interesse. Es ist sehr wohl möglich, zu einem roten Gesicht mit einem weißen Verstand heranzuwachsen; und wenn dies die individuelle Entscheidung einer Person ist, dann sei es so, aber ich kann damit nichts anfangen. Dies ist Teil des Prozesses eines kulturellen Genozids, der von den Europäer*innen heute gegen die Indianer*innen geführt wird. Mein Interesse liegt bei jenen Indianer*innen, die sich dazu entscheiden, Widerstand gegen diesen Genozid zu leisten, bei denen jedoch Verwirrung darüber herrscht, wie sie fortfahren sollen.

(Du wirst bemerken, dass ich, wenn ich mich auf meine Leute beziehe, den Begriff Indianer*in benutze, statt dem der indigenen Amerikanerin oder Ureinwohner*innen oder Amerindian1.) Es hat so einiges an Debatten um derlei Begriffe gegeben und ehrlich gesagt, ich finde das absurd. Vorranging scheint der Begriff des Indianers deshalb abgelehnt zu werden, weil er europäischen Ursprungs ist – was natürlich stimmt. Aber alle oben genannten Begriffe sind europäischen Ursprungs; die einzige nicht-europäische Art und Weise bestünde darin, von den Lakota zu sprechen – oder genauer gesagt, von den Oglala, Brule, etc, – und von den Dineh, den Miccousukee und all den anderen der vielen hunderten korrekten Stammesbezeichnungen.

(Es hat auch eine gewisse Verwirrung über das Wort Indianer*in gegeben, eine Fehlannahme, dass es sich irgendwie auf das Land Indien beziehen würde. Als Columbus an der Küste der Karibik angespült wurde, war er nicht auf der Suche nach einem Land namens Indien. Die Europäer haben dieses Land 1492 Hindustan genannt. Schau es auf den alten Karten nach. Kolumbus nannte die Stammesleute, die er traf “India”, was von dem italienischen in dio stammt und “in Gott” bedeutet.)

Es bedarf einer erheblichen Anstrengung seitens einer*s jeden Indianer*in, nicht europäisiert zu werden. Die Kraft für diese Anstrengung kann nur aus den traditionellen Lebensweisen, den traditionellen Werten, die unsere Ältesten bewahren, stammen. Sie muss aus dem Kreislauf kommen, von den vier Himmelsrichtungen, den Beziehungen: Sie kann nicht von den Seiten eines Buches oder auch von denen tausender Bücher kommen. Kein Europäer kann jemals eine*n Lakota lehren, Lakota zu sein, keinen Hopi, Hopi zu sein. Ein Masterabschluss in “Indian Studies” oder in “Bildungswissenschaften” oder in irgendetwas anderem kann keine Person zu einem Menschen machen, oder Wissen über die traditionellen Weisen vermitteln. All das kann euch nur zu mentalen Europäer*innen machen, zu Außenseitern.

Ich sollte an dieser Stelle eine Sache klar stellen, weil darüber eine gewisse Verwirrung zu herrschen scheint. Wenn ich von Europäer*innen oder mentalen Europäer*innen spreche, dann will ich nicht missverstanden werden. Ich sage nicht, dass auf der einen Seite, auf der schlechten, die Nebenprodukte mehrerer tausender Jahre genozidaler, reaktionärer europäischer intellektueller Entwicklung stehen und auf der anderen Seite, der guten, irgendeine neue, revolutionäre intellektuelle Entwicklung. Ich spreche hier von den sogenannten Theorien des Marxismus und des Anarchismus und der “Linken” im Allgemeinen. Ich glaube nicht, dass diese Theorien vom Rest der europäischen intellektuellen Tradition getrennt werden können. Sie sind wirklich nur immer die gleiche alte Leier.

Der Prozess begann sehr viel früher. Newton beispielsweise “revolutionierte” die Physik und die sogenannten Naturwissenschaften, indem er das physikalische Universum auf eine lineare mathematische Formel reduzierte. Descartes tat das gleiche mit der Kultur. John Locke mit der Politik und Adam Smith mit der Wirtschaft. Jeder dieser “Denker” nahm ein Stück der Spiritualität der menschlichen Existenz und verwandelte sie in einen Code, eine Abstraktion. Sie nahmen den Pfad dort wieder auf, wo das Christentum stehen geblieben war: sie “säkularisierten” die Christliche Religion, wie die “Gelehrten” zu sagen pflegen – und indem sie das taten, machten sie Europa fähiger und bereiter dazu, als expansionistische Kultur zu handeln. Jede dieser intellektuellen Revolutionen diente dazu die europäische Mentalität weiter zu abstrahieren, die wundervolle Komplexität und Spiritualität des Universums zu entfernen und sie mit einer logischen Folge zu ersetzen. Eins, zwei, drei. Antworte!

Das ist das, was man dem europäischen Verstand nach “Effizienz” nennt. Alles was mechanisch ist, ist perfekt; alles was im Moment zu funktionieren scheint – das heißt, alles was beweist, dass das mechanische Modell das richtige ist – wird als korrekt betrachtet, selbst wenn es offensichtlich unwahr ist. Das ist der Grund, warum sich “Wahrheit” im europäischen Verstand so schnell wandelt; die Antworten, die aus einem derartigen Prozess folgen, sind bloß Lückenbüßer, nur vorrübergehend gültig, und müssen beständig zugunsten neuer Lückenbüßer verworfen werden, die die mechanischen Modelle stützen und sie (die Modelle) am Leben erhalten.

Hegel und Marx waren die Erben des Denkens von Newton, Descartes, Locke und Smith. Hegel vollendete den Prozess der Säkularisierung der Theologie – und das ist in seinen eigenen Worten ausgedrückt –, er säkularisierte das religiöse Denken durch das Europa das Universum verstand. Dann brachte Marx Hegels Philosophie auf die Begrifflichkeiten des “Materialismus”, was so viel bedeutet, wie dass Marx Hegels Arbeit insgesamt despiritualisierte. Wieder sind dies Marxens eigene Worte. Und dies wird nun als das zukünftige revolutionäre Potenzial Europas betrachtet. Europäer*innen mögen dies als revolutionär betrachten, aber Indianer*innen sehen es schlicht als eine weitere Ausprägung des gleichen alten europäischen Konflikts zwischen Sein und Gewinn. Die intellektuellen Wurzeln einer neuen marxistischen Form des europäischen Imperialismus liegen in Marxens Verbindungen – und denen seiner Jünger*innen – zu der Tradition von Newton, Hegel und den anderen.

Sein ist eine spirituelle Behauptung. Gewinn ist ein materieller Akt. Traditionell haben Indianer stets versucht die besten Menschen zu sein, die sie konnten. Teil dieses spirituellen Prozesses war es und ist es auch weiterhin, Wohlstand wegzugeben, Wohlstand zu verwerfen, um nicht zu gewinnen. Materieller Gewinn ist ein Zeichen für falsches Ansehen unter indigenen Menschen, während er für Europäer*innen “der Beweis ist, dass das System funktioniert”. Offensichtlich liegen hier zwei einander vollständig entgegengesetzte Theorien zugrunde und der Marxismus liegt eindeutig auf der entgegengesetzten Seite zur indianischen Ansicht. Aber lasst uns eine der Hauptimplikationen dessen ansehen; es handelt sich hier schließlich nicht bloß um eine intellektuelle Debatte.

Die europäische materialistische Tradition der Despiritualisierung des Universums ist dem mentalen Prozess sehr ähnlich, der mit der Entmenschlichung einer anderen Person einhergeht. Und wer scheint der größte Experte darin zu sein, andere Menschen zu entmenschlichen? Und warum? Soldaten, die viele Kampfhandlungen gesehen haben, lernen das zu tun, bevor sie an die Front zurückkehren. Mörder tun das, bevor sie rausgehen, um Morde zu begehen. Nazi SS-Wachen taten es gegenüber den Insassen der KZs. Bullen tun das. Die Firmechefs tun es mit den Arbeitern, die sie in Uranminen und Stahlfabriken schicken. Politiker*innen machen es mit allen innerhalb ihrer Sichtweite. Und was dieser Prozess für jede der Gruppen, die diese Entmenschlichung vornimmt, gemein hat, ist dass er es in Ordnung erscheinen lässt, zu töten und andere Menschen auf andere Art zu zerstören. Eines der christlichen Gebote lautet, “Du sollst nicht töten”, zumindest keine Menschen, also besteht der Trick darin, die Opfer mental in Nichtmenschen zu verwandeln. Dann lässt sich die Verletzung deiner eigenen Gebote zur Tugend erklären.

Im Hinblick auf die Despiritualisierung des Universums funktioniert der Prozess so, dass es zur Tugend wird, den Planeten zu zerstören. Begriffe wie Fortschritt und Entwicklung werden hier als Euphemismen genutzt, auf die selbe Art und Weise auf die Sieg und Freiheit dazu genutzt werden, das Abschlachten im Prozess der Entmenschlichung zu rechtfertigen. Zum Beispiel wird ein Immobilienspekulant die Eröffnung einer Kiesgrube als “Entwicklung” eines Grundstücks bezeichnen; Entwicklung bedeutet hier totale und permanente Zerstörung, wobei die Erde selbst entfernt wird. Aber in der europäischen Logik wurden ein paar Tonnen Kies gewonnen, mit denen mehr Land durch den Bau von Straßen “entwickelt” werden kann. Schließlich steht das Ganze Universum – der Ansicht der Europäer zufolge – für diese Art von Wahnsinn offen.

Das wichtigste dabei ist vielleicht die Tatsache, dass die Europäer dabei keinen Verlust empfinden. Schließlich haben ihre Philosophen die Realität despiritualisiert, so dass (für sie) keine Befriedigung darin liegt, einfach das Wunder eines Berges, eines Sees oder eines Volkes wie es ist, zu beobachten. Nein, Befriedigung wird im Hinblick auf die Gewinnung von Material gemessen. Also wird der Berg zu Kies, der See wird zum Kühlaggregat für eine Fabrik und die Menschen werden zusammengetrieben, um in den Indoktrinationsfabriken, die die Europäer Schulen nennen, weiterverarbeitet zu werden.

Aber jeder neue Abschnitt dieses “Fortschritts” setzt in der realen Welt noch einmal einen drauf. Nimm den Treibstoff für die industrielle Maschine als Beispiel. Vor kaum mehr als zwei Jahrhunderten nutzte beinahe jede*r Holz – ein erneuerbarer, natürlicher Stoff – als Treibstoff für die sehr menschlichen Bedürfnisse des Kochens und um warm zu bleiben. Mit der Industriellen Revolution wurde die Kohle zum dominanten Treibstoff, da die Produktion zum sozialen Imperativ Europas wurde. Die Luftverschmutzung wurde in den Städten zum Problem und die Erde wurde aufgerissen, um Kohle zu fördern, wo einst Holz einfach gesammelt oder ohne Schäden an der Natur zu hinterlassen gefällt wurde. Später wurde Öl zum Haupttreibstoff, als die Technologie der Produktion durch eine Reihe wissenschaftlicher “Revolutionen” perfektioniert worden war. Die Luftverschmutzung vergrößerte sich dramatisch und bis heute weiß niemand was langfristig wirklich die ökologischen Kosten davon sein werden, all dieses Öl aus dem Boden zu pumpen. Nun gibt es eine “Energiekrise” und Uran wird zum dominanten Treibstoff.

Zumindest kann man sich auf die Kapitalisten bei der Entwicklung des Urans als Treibstoff nur insoweit verlassen, wie dies einen großen Profit abwirft. Das ist ihre Ethik und möglicherweise wird uns das ein wenig Zeit verschaffen. Auf Marxist*innen auf der anderen Seite kann man sich verlassen, dass sie den Urantreibstoff so schnell wie irgendwie möglich entwickeln werden, weil er der “effizienteste” Produktionstreibstoff ist, der zur Verfügung steht. Das ist ihre Ethik und ich sehe nicht, warum man diese vorziehen sollte. Wie ich bereits sagte, ist der Marxismus geradezu abhängig von der Europäischen Tradition. Er ist die gleiche alte Leier.

Es gibt eine Daumenregel, die hier angewandt werden kann. Man kann die wahre Natur einer revolutionären Doktrin nicht auf Basis dessen beurteilen, welche Veränderungen sie innerhalb der europäischen Machtstruktur und Gesellschaft anstrebt. Man kann sie nur aufgrund des Effekts beurteilen, den sie auf nicht-europäische Völker hat. Das kommt daher, dass jede Revolution in der europäischen Geschichte dazu gedient hat, die Neigungen und die Fähigkeiten Europas zu erneuern, Zerstörung an andere Völker, andere Kulturen und die Natur selbst zu exportieren. Ich fordere alle dazu auf, ein Beispiel zu nenen, für das das nicht gilt.

Heute sollen wir, die indianischen Völker, daran glauben, dass eine “neue” Europäische Doktrin wie der Marxismus die negativen Auswirkungen der europäischen Geschichte auf uns rückgängig machen wird. Europäische Machtstrukturen sollen einmal mehr angepasst werden und das soll die Dinge für uns besser machen. Aber was bedeutet das wirklich?

Genau jetzt, heute, leben wir, die wir in der Pine Ridge Reservation leben, in dem, was die weiße Gesellschaft zu einer “Region des Nationalen Opfers” erklärt hat. Was das bedeutet ist, dass hier zahlreiche Uranlagerstätten liegen und die weiße Kultur (nicht wir) dieses Uran als Material zur Energieproduktion benötigt. Die billigste, effizienteste Art und Weise für die Industrie dieses Uran zu fördern und weiterzuverarbeiten besteht darin, die Abfallprodukte direkt hier an den Förderstätten zu entsorgen. Genau hier, wo wir leben. Dieser Müll ist radioaktiv und wird die gesamte Region für immer unbewohnbar machen. Das wird von der Industrie und von der weißen Gesellschaft, die diese Industrie hervorgebracht hat, als ein “akzeptabler” Preis den sie für die Entwicklung der Energieressourcen zahlen müssen, betrachtet. Nebenbei planen sie als Teil des industriellen Prozesses auch noch, den Grundwasserspiegel unter diesem Teil von South Dakota abzusenken, so dass die Region doppelt unbewohnbar wird. Das gleiche passiert unten, in den Landen der Navajo und Hopi und oben, in den Landen der Nördlichen Cheyenne und Crow, sowie anderswo. Dreißig Prozent der Kohle im Westen [der USA] und die Hälfte der Uranvorkommen in den Vereinigten Staaten wurden unter Reservatsland gefunden, folglich kann das keineswegs ein geringfügiges Problem genannt werden.

Wir leisten Widerstand dagegen, dass wir in eine Region des Nationalen Opfers verwandelt werden sollen. Wir leisten Widerstand dagegen, dass wir in ein Volk des Nationalen Opfers verwandelt werden sollen. Die Kosten dieses industriellen Prozesses sind für uns nicht hinnehmbar. Es ist Genozid, hier nach Uran zu graben und den Wasserspiegel abzusenken – nicht mehr und nicht weniger.

Nun, lasst uns annehmen, dass wir in unserem Kampf gegen die Auslöschung beginnen nach Verbündeten zu suchen (und das haben wir getan). Lasst uns weiterhin annehmen, dass wir den revolutionären Marxismus bei seinem Wort nehmen: Dass er nichts anderes beabsichtigt, als die europäische kapitalistische Ordnung, die diese Bedrohung für unsere Existenz ausgelöst hat, vollständig zu stürzen. Dies scheint eine natürliche Allianz zu sein, die Indianer*innen eingehen könnten. Schließlich sind es doch, wie die Marxist*innen sagen, die Kapitalist*innen, die uns zu einem Nationalen Opfer erklärt haben. Das ist soweit richtig.

Aber diese “Wahrheit” ist trügerisch, wie ich darzulegen versucht habe. Der Revolutionäre Marxismus ist der weiteren Fortführung und Verfeinerung des gleichen industriellen Prozesses verbunden, der uns alle zerstört. Er bietet bloß an, die Resultate – vielleicht das Geld – dieser Industrialisierung auf einen größeren Anteil der Bevölkerung “umzuverteilen”. Er bietet uns an, vom Wohlstand der Kapitalist*innen zu nehmen und ihn weiterzureichen; aber um das zu tun, muss der Marxismus das industrielle System aufrecht erhalten. Wieder einmal werden die Machtbeziehungen der europäischen Gesellschaft verändert werden und wieder einmal werden die Auswirkungen auf die Indianer*innen hier und alle Nicht-Europäer*innen anderswo die gleichen bleiben. Das ist weitestgehend das gleiche wie als die Macht von der Kirche auf Privatunternehmen umverteilt wurde, während der sogenannten bürgerlichen Revolution. Die europäische Gesellschaft hat sich ein klein wenig verändert, zumindest vordergründig, aber ihr Verhalten gegenüber Nicht-Europäern ging weiter, wie zuvor. Ihr könnt sehen, was die Amerikanische Revolution von 1776 für die Indianer*innen getan hat. Es ist die gleiche alte Leier.

Der Revoltionäre Marxismus, ebenso wie die industrielle Gesellschaft in anderen Formen, strebt danach, alle Menschen in ihrer Beziehung zur Industrie zu “rationalisieren” – ein Maximum an Industrie, ein Maximum an Produktion. Er ist eine materialistische Doktrin, die die indianische spirituelle Tradition verachtet, ebenso wie unsere Kulturen, unsere Lebensweisen. Marx selbst nannte uns “Präkapitalisten” und “Primitive”. Präkapitalist bedeutet seiner Ansicht nach schlicht dass wir schließlich den Kapitalismus entdecken und zu Kapitalisten werden würden; wie waren, um es in Marxens Worten zu sagen, schlicht immer ökonomisch rückständig. Die einzige Art und Weise, auf die sich Indianer*innen an einer marxistischen Revolution beteiligen könnten, bestünde darin, Teil des industriellen Systems zu werden, Fabrikarbeiter*innen oder “Proletarier”, wie Marx sie nannte, zu werden. Der Mann war hinsichtlich der Tatsache, dass seine Revolution nur durch den Kampf des Proletariats eintreten könne, überaus deutlich; die Existenz eines gigantischen industriellen Systems ist eine Vorbedingung für eine erfolgreiche marxistische Gesellschaft.

Ich denke es gibt hier ein Problem mit der Sprache. Christen, Kapitalisten, Marxisten, sie alle waren ihrem eigenen Denken nach revolutionär, aber keiner von ihnen meinte jeweils Revolution. Was sie eigentlich meinen ist eine Fortsetzung. Sie tun, was sie tun, damit die europäische Kultur fortbestehen kann und sich gemäß ihren Bedürfnissen entwickeln kann.

Um uns also wirklich mit den Marxisten zu verbünden, müssten wir Indianer*innen das nationale Opfer unseres Heimatlandes akzeptieren; wir müssten kulturellen Selbstmord begehen und industrialisiert und europäisiert werden.

An diesem Punkt muss ich innehalten und mich fragen, ob ich in meinem Urteil zu harsch bin. Der Marxismus hat schließlich eine gewisse Geschichte. Bekräftigt diese Geschichte meine Beobachtungen? Ich schaue mir den Prozess der Industrialisierung in der Sovietunion seit 1920 an und kann sehen, dass diese Marxisten das, wofür die englische industrielle Revolution 300 Jahre gebraucht hatte, in 60 Jahren vollbracht haben. Ich sehe, dass das Territorium der USSR einst eine Vielzahl von Stammesvölkern umschloss und diese zerquetscht wurden, um Platz für die Fabriken zu schaffen. Die Sowjets bezeichnen dies als “die Nationale Frage”, die Frage danach, ob die Stammesvölker ein Recht haben, als Volk zu existieren; und sie entschieden, dass die Stammesvölker ein hinnehmbares Opfer für die industriellen Erfordernisse wären. Ich blicke nach China und sehe das Gleiche. Ich blicke nach Vietnam und ich sehe, wie Marxist*innen eine industrielle Ordnung durchsetzen und die indigenen Stammesvölker der Berge ausrotten.

Ich höre einen führenden sowjetischen Wissenschaftler sagen, dass wenn das Uran erschöpft ist, Alternativen gefunden werden werden. Ich sehe, wie die Vietnamesen ein vom US-Militär aufgegebenes Atomkraftwerk einnehmen. Haben sie es unschädlich gemacht und zerstört? Nein, sie benutzen es. Ich sehe, wie China Atombomben testet, Atomreaktoren entwickelt und ein Raumfahrtprogramm ins Leben ruft, um die Planeten zu kolonisieren und auszubeuten, ebenso wie die Europäer*innen diese Hemisphäre kolonialisiert und ausgebeutet haben. Es ist die gleiche alte Leier, diesmal vielleicht mit einem schnelleren Takt.

Die Aussage des sowjetischen Wissenschaftlers ist äußerst interessant. Weiß er, was diese alternative Energiequelle sein wird? Nein, er glaubt einfach daran. Die Wissenschaft wird einen Weg finden. Ich höre revolutionäre Marxist*innen sagen, dass die Zerstörung der Umwelt, Luftverschmutzung und radioaktive Strahlung kontrolliert werden werden. Und ich sehe sie entsprechend ihrer Worte handeln. Wissen sie, wie diese Dinge kontrolliert werden sollen? Nein, sie glauben schlicht daran. Die Wissenschaft wird einen Weg finden. Die Industrialisierung ist gut und notwendig. Woher wissen sie das? Glaube. Die Wissenschaft wird einen Weg finden. Glaube dieser Art wurde in Europa immer als Religion bezeichnet. Die Wissenschaft wurde zur neuen europäischen Religion, sowohl für Kapitalist*innen, als auch Marxist*innen; in Wahrheit sind sie ununterscheidbar, sie sind fester Bestandteil der gleichen Kultur. Also fordert der Marxismus, sowohl in der Theorie, wie auch in der Praxis, dass die nicht-europäischen Völker ihre Werte, ihre Traditionen und ihre kulturellen Erfahrungen allesamt aufgeben. Wir würden in einer marxistischen Gesellschaft allesamt industrialisierte Wissenschaftsfanatiker werden.

Ich glaube nicht, dass der Kapitalismus selbst wirklich für die Situation verantwortlich ist, in der Indianer*innen zu einem nationalen Opfer erklärt wurden. Nein, es ist die europäische Tradition; die europäische Kultur selbst ist verantwortlich. Der Marxismus ist die jüngste Fortsetzung dieser Tradition, keine Lösung dagegen. Sich mit dem Marxismus zu verbünden bedeutet sich mit den selben Kräften zu verbünden, die uns zu hinnehmbaren Kosten erklären. Es gibt einen anderen Weg. Es gibt den traditionellen Weg der Lakota und die Wege der anderen Indianervölker. Es ist der Weg, auf dem die Menschen wissen, dass sie nicht das Recht haben Mutter Erde zu entwürdigen, dass es Kräfte jenseits all dessen gibt, was der europäische Verstand ersonnen hat, dass Menschen in Harmonie mit allen Beziehungen sein müssen oder die Beziehungen diese Disharmonie schließlich beseitigen werden. Eine einseitige Betonung der Menschen durch Menschen – die Arroganz der Europäer, die sie handeln lässt, als stünden sie außerhalb der Natur und aller Dinge in Beziehung – kann nur in einer totalen Disharmonie enden und eine Wiederanpassung, die die arroganten Menschen zurechtstutzt gibt ihnen einen Vorgeschmack dieser Realität, die außerhalb ihrer Reichweite oder Kontrolle liegt und die die Harmonie wiederherstellt. Es gibt keinen Bedarf einer revolutionären Theorie, um das geschehen zu lassen; es liegt jenseits der menschlichen Kontrolle. Die Naturvölker dieses Planeten wissen das und daher stellen sie keine Theorien darüber an. Theorien sind etwas Abstraktes; unser Wissen ist real.

Auf ihre Grundbegriffe zusammengedampft entspricht der europäische Glaube – inklusive des neuen Glaubens in die Wissenschaft – einem Glauben, in dem der Mann Gott ist. Europa hat immer nach einem Messias gesucht, sei es der Mann Jesus Christus oder der Mann Karl Marx oder der Mann Albert Einstein. Indianer*innen wissen, dass das absolut absurd ist. Menschen sind die schwächsten aller Kreaturen, so schwach, dass andere Kreaturen bereit sind uns ihr Fleisch zu überlassen, so dass wir leben können. Menschen sind nur durch die Ausübung von Rationalität in der Lage dazu zu überleben, da ihnen die Fähigkeiten anderer Kreaturen fehlen, Nahrung durch den Gebrauch von Fängen und Klauen zu erlangen.

Aber Rationalität ist ein Fluch, da sie die Menschen dazu bringen kann, die natürliche Ordnung der Dinge zu vergessen, wie es keine andere Kreatur tut. Ein Wolf vergisst niemals seinen oder ihren Platz in der natürlichen Ordnung. Indianer können ihn vergessen. Europäer*innen vergessen ihn so gut wie immer. Wir danken dem Wild, unseren Beziehungen dafür, dass sie uns erlauben, ihr Fleisch zu essen; Europäer*innen nehmen das Fleisch einfach als gegeben und betrachten das Wild als unterlegen. Schließlich halten sich die Europäer*innen für gottgleich in ihrem Rationalismus und ihrer Wissenschaft. Gott ist das Höchste Wesen; alles andere muss unterlegen sein. Jede europäische Tradition, inklusive des Marxismus hat sich dazu verschworen, der natürlichen Ordnung der Dinge zu trotzen. Mutter Erde wurde missbraucht, die Mächte wurden missbraucht und das kann nicht ewig so weitergehen. Keine Theorie kann diese einfache Tatsache ändern. Mutter Erde wird Rache nehmen, die gesamte Umwelt wird sich rächen und die Missbrauchstäter werden ausgelöscht werden. Die Dinge werden zum Ausgangspunkt zurückkehren, zurück dorthin, wo sie ihren Lauf genommen haben. Das ist Revolution. Und das ist eine Prophezeiung meines Volkes, des Volkes der Hopi und anderer korrekter Völker.

Indianer*innen haben seit Jahrhunderten versucht, den Europäer*innen dies alles zu erklären. Aber, wie ich bereits zuvor gesagt habe, die Europäer*innen haben sich als unfähig zuzuhören erwiesen. Die Natürliche Ordnung wird sich schließlich durchsetzen und die Angreifer werden aussterben, auf die selbe Art und Weise, auf die Wild ausstirbt, wenn es die Harmonie bedroht, weil es sich in einer bestimmten Region übermäßig vermehrt. Es ist nur eine Frage der Zeit bis das, was die Europäer*innen eine “große Katastrophe von globalem Ausmaß” nennen eintreten wird. Es ist die Rolle der Indianervölker, die Rolle aller Lebewesen, zu überleben. Ein Teil dieses Überlebens besteht darin Widerstand zu leisten. Wir leisten nicht dadurch Widerstand, dass wir eine Regierung stürzen oder die politische Macht ergreifen, sondern, weil das für den Widerstand gegen Auslöschung natürlich ist, indem wir überleben. Wir wollen keine Macht über weiße Institutionen; wir wollen, dass die weißen Institutionen verschwinden. Das ist Revolution.

Indianer*innen wissen noch immer um diese Realitäten – die Prophezeiungen, die Traditionen unserer Vorfahren. Wir lernen von den Ältesten, von der Natur, von den Mächten. Und wenn die Katastrophe vorbei ist, werden wir Indianer*innen überleben; die Harmonie wird wiederhergestellt werden. Das ist Revolution.

An diesem Punkt sollte ich vielleicht etwas anderes klarstellen, etwas was als Resultat dessen, was ich gesagt habe, bereits klar sein sollte. Aber die Verwirrung macht sich dieser Tage so leicht breit, deshalb will ich diesen Punkt ein für alle Mal klar machen. Wenn ich den Begriff Europäer*in benutze, dann beziehe ich mich nicht auf eine Hautfarbe oder eine genetische Struktur. Worauf ich mich beziehe ist ein Mindset, eine Weltanschauung, die Produkt der Entwicklung der europäischen Kultur ist. Die Menschen sind nicht genetisch dazu programmiert, diese Ansicht zu vertreten, sie werden akkulturiert, sie einzunehmen. Das gleiche gilt auch für Indianer*innen oder die Mitglieder irgendeiner anderen Kultur.

Es ist für Indianer*innen möglich, europäische Werte zu teilen, eine europäische Weltanschauung. Wir haben einen Begriff für diese Leute. Wir nennen sie Äpfel – außen rot (genetisch) und innen weiß (ihre Werte). Andere Gruppen haben ähnliche Begriffe dafür: Die Schwarzen haben ihre “Oreos”, die Hispanos ihre “Kokosnüsse”, und so weiter. Und wie ich bereits zuvor gesagt habe, gibt es auch Ausnahmen von der weißen Norm: Menschen, die nach außen weiß sind, aber im Inneren nicht. Ich weiß nicht, welcher andere Begriff für sich gelten sollte, als “Menschen”.

Was ich hier hervorhebe ist keine rassische Behauptung, sondern eine kulturelle Behauptung. Diejenigen, die schließlich für die Realitäten einer europäischen Kultur und ihren Industrialismus eintreten und diese verteidigen, sind meine Feind*innen. Diejenigen, die Widerstand dagegen leisten, die dagegen kämpfen, sind meine Verbündeten, die Verbündeten der indianischen Völker. Und ich gebe keinen Fick darauf, was ihre Hautfarbe ist. Kaukasisch ist der weiße Begriff für die weiße Rasse: Europäisch ist eine Anschauung, die ich bekämpfe.

Die vietnamesischen Kommunist*innen mögen nicht genau das sein, was man unter genetischen Kaukasiern verstehen mag, aber sie funktionieren heute als mentale Europäer*innen. Das gleiche gilt für die chinesischen Kommunist*innen, die japanischen Kapitalist*innen oder die Bantu-Katholiken oder Peter “MacDollar” unten im Reservat der Navajo oder einen Dickie Wilson hier in Pine Ridge. Darin liegt kein Rassismus, nur ein Eingeständnis des Verstands und Geistes, die eine Kultur ausmachen.

Ich nehme an, dass ich marxistischen Begriffen zufolge ein “kultureller Nationalist” bin. Ich arbeite vor allem mit meinen Leuten zusammen, den traditionellen Lakota Völkern, weil wir eine gemeinsame Weltanschauung hochhalten und einen unmittelbaren Kampf teilen. Jenseits dessen arbeite ich mit anderen traditionellen Indianervölkern zusammen, wieder wegen einer bestimmten Gemeinsamkeit hinsichtlich unserer Weltanschauung und der Art unseres Kampfes. Darüber hinaus arbeite ich mit allen zusammen, die die koloniale Unterdrückung Europas erfahren haben und die seiner kulturellen und industriellen Totalität Widerstand leisten. Offensichtlich beinhaltet das auch genetische Kaukasier, die Widerstand gegen die dominanten Normen der europäischen Kultur leisten. Mir kommen da unmittelbar die Iren und die Basken in den Sinn, aber es gibt auch viele andere.

Ich arbeite vor allem mit meinen eigenen Völkern, mit meiner eigenen Gemeinschaft. Andere Menschen, die nicht-europäische Perspektiven hochhalten, sollten das selbe tun. Ich glaube an den Slogan “Vertraue der Vision deiner Brüder,” obwohl ich ihm auch noch die Schwestern hinzufügen würde. Ich vertraue der Gemeinschaft und den auf der Kultur basierenden Visionen aller Rassen, die natürlicherweise Widerstand gegen die Industrialisierung und die menschliche Auslöschung leisten. Offensichtlich können auch individuelle Weiße daran teil haben, vorausgesetzt, dass sie zu der Erkenntnis gelangt sind, dass die Fortsetzung des industriellen Imperativs Europas keine Vision ist, sondern der Selbstmord einer Spezies. Weiß ist eine der heiligen Farben der Lakota-Völker – Rot, Gelb, Weiß und Schwarz. Die vier Richtungen. Die vier Jahreszeiten. Die vier Perioden des Lebens und des Alterns. Die vier Rassen der Menschheit. Wenn man Rot, Gelb, Weiß und Schwarz zusammenmischt, dann bekommt man Braun, die Farbe der Fünften Rasse. Dies ist die natürliche Ordnung der Dinge. Es erscheint mir folglich natürlich zu sein, mit allen Rassen zusammenzuarbeiten, jede davon mit ihren besonderen Bedeutungen, Identitäten und Botschaften.

Aber es gibt ein merkwürdiges Verhalten unter den meisten Kaukasier*innen. Sobald ich Europa kritisiere, sowie seine Auswirkungen auf andere Kulturen, verfallen sie in die Defensive. Sie fangen an, sich selbst zu verteidigen. Aber ich greife sie nicht persönlich an; ich greife Europa an. Wenn ich meine Beobachtungen über Europa personifiziere, dann personifizieren sie die europäische Kultur, identifizieren sich selbst mit ihr. Indem sie sich in diesem Kontext selbst verteidigen, verteidigen sie letztendlich die Todeskultur. Das ist eine Verwirrung, die überwunden werden muss, und sie muss schnell überwunden werden. Keiner von uns hat die Energie dazu, sie in solchen falschen Kämpfen zu verschwenden.

Kaukasier*innen haben der Menschheit eine positivere Vision anzubieten, als die europäische Kultur. Daran glaube ich. Aber um diese Vision zu erlangen, ist es notwendig, dass die Kaukasier*innen aus der europäischen Kultur heraustreten – zusammen mit dem Rest der Menschheit – um Europa als das zu erkennen, was es ist und was es tut.

Sich an den Kapitalismus, den Marxismus und all die anderen “-ismen” zu klammern, bedeutet schlicht innerhalb der europäischen Kultur zu verbleiben. Diese einfache Tatsache lässt sich nicht vermeiden. Als Tatsache anerkannt, stellt dies eine Entscheidung dar. Du musst verstehen, dass diese Entscheidung auf Kultur basiert, nicht auf Rasse. Du musst verstehen, dass die europäische Kultur und den Industrialismus zu wählen, mein Feind zu werden bedeutet. Und du musst verstehen, dass die Entscheidung bei dir liegt, nicht bei mir. Das führt mich zurück zu jenen Indianer*innen, die durch die Universitäten treiben, die Slums der Städte und andere europäische Institutionen. Wenn ihr dort seid, um zu lernen, wie ihr den Unterdrücker im Einklang mit euren traditionellen Lebensweisen bekämpfen könnt, dann sei das so. Ich weiß nicht, wie ihr das vereinbaren wollt, aber vielleicht werdet ihr Erfolg darin haben. Aber bewahrt euch einen Sinn für die Realität. Seht euch vor, zu glauben, dass die weiße Welt nun Lösungen für die Probleme hat, mit denen sie uns konfrontiert. Nehmt euch auch in Acht davor, zu erlauben, dass die Worte indigener Völker zum Vorteil unseres Feindes verdreht werden. Europa hat die Praxis der Wortverdrehungen erfunden. Ihr müsst nur auf die Abkommen zwischen Indianervölkern und verschiedenen europäischen Regierungen blicken, um zu sehen, dass das wahr ist. Zieht eure Stärke daraus, wer ihr seid.

Eine Kultur, die regelmäßig die Revolution mit Fortsetzung verwechselt, die Wissenschaft mit Religion verwechselt, die Revolte mit Widerstand verwechselt hat euch nichts hilfreiches zu lehren und nichts als Lebensweise anzubieten. Europäer*innen haben seit langem jeglichen Kontakt zur Realität verloren, wenn sie überhaupt jemals in Kontakt damit waren. Bedauert sie, wenn ihr wollt, aber seid zufrieden damit, wer ihr als Indianer*innen seid.

Ich würde also, um das abzuschließen, klar sagen, dass es wirklich das letzte wäre, was mir in den Sinn kommen würde, irgendwen zum Marxismus zu bekehren. Der Marxismus ist meiner Kultur ebenso fremd wie der Kapitalismus und das Christentum. Tatsächlich kann ich sagen, dass ich nicht denke, dass ich versuche irgendwen zu irgendetwas zu bekehren. Bis zu einem gewissen Grad habe ich versucht, ein “Anführer” zu sein, in dem Sinne, in dem die weißen Medien diesen Begriff zu gebrauchen pflegten, als die American Indian Movement eine junge Organisation war. Das war das Resultat einer Verwirrung, der ich nicht länger aufsitze. Man kann nicht alles für alle sein. Ich beabsichtige nicht, von meinen Feinden auf diese Weise benutzt zu werden. Ich bin kein Anführer. Ich bin ein Patriot der Oglala Lakota. Das ist alles was ich sein will und sein muss. Und ich bin zufrieden damit, wer ich bin.

1Eine Art politisch korrekte Bezeichnung für Indianer.

Wie vielfältiger Widerstand zum Erfolg führen kann

Ein Beispiel aus dem Kampf gegen die „Identitäre Bewegung“
in Halle

Dieser Text wurde von einer Einzelperson des Anarchists in Lützerath Kollektivs geschrieben und spiegelt nicht die Meinung des ganzen Kollektivs oder aller Anarchist*innen aus Lützerath wieder.

Im Verlauf der letzten Monate haben wir gesehen, dass in der ZAD Rheinland viel Unklarheit besteht, wie verschiedene Aktionsformen zusammenarbeiten und auf einander eingehen können. Auch ist unklar was die Ziele von Menschen aus der ZAD Rheinland sind und ob oder wie sich diese zusammen bringen lassen. Mit einem Blick nach Halle will ich einen Anstoß geben wie diese Zusammenarbeit funktionieren kann.

In Halle gab es mindestens seit dem Sommer 2017 ein Hausprojekt der rechtsextremen „Identitären Bewegung“, welches versucht hat in Halle ein Anlaufpunkt für rechte Aktivitäten zu sein. Auch sollten dort Nazikader aus der Umgebung ein neues Zuhause finden. So wurden von dort Aktionen geplant und ausgeführt. Es wurde versucht in der Universität vor Ort für rechte Ideologien zu werben, da die Arbeit der „Identitären Bewegung“ oft sehr hip und modern wirkt und besonders junge Menschen mit akademischem Hintergrund anspricht.
Die „Identitäre Bewegung“ zählt zur „Neuen Rechten“, ähnlich wie beispielsweise die AfD. Diese Versuchen nicht durch offenes Auftreten als Neo-Nazis irgendein Volk wieder zu beleben, sondern arbeiten mit „gemilderter“, aber durchweg rassistischer, sexistischer, antisemitischer Sprache, an der gezielten Verschiebung von Diskursen, mit der sie Versuchen die parlamentarische Politik nach rechts zu bewegen, was wir beispielsweise an der Abschiebe- und Flüchtlingspoltik leider gut miterleben können.

Der Text „An der Vielfalt gescheitert: Wie antifaschistischer Widerstand ein identitäres“ Hausprojet in Halle zermürbt hatvon KickThemOut aus dem Heft „TURN LEFT – Gegen den neuen Faschismus und den Nationalismus der Mitte“ herausgegeben von TOP3 Berlin, zeigt wie ein breiter Protest von (links-)liberalen bis militant antifaschistischen Kräften das Hausprojekt der Identitären Bewegung“ zum scheitern gebracht hat und dort nun „nur noch“ Nazis wohnen, dieses aber nicht mehr als Projekt organisiert sind.

Ich will euch diesen Text aus der Broschüre nahe legen und hoffe, dass dieser zu dem Diskurs in und um die ZAD Rheinland beitragen kann. Es wäre schön wenn wir die verschiedenen Vor- und Nachteile von Aktionsformen diskutieren und respektieren, sowie an den richtigen Stellen einsetzen. Auch wäre es toll, wenn wir in den nächsten Wochen Strategien, die alle Menschen mitnehmen, entwickeln, sodass wir bei Angriffen oder Räumungsversuchen vorbereitet sind und gemeinsam für den Erhalt von Lützerath kämpfen können . Wir müssen die Teilung von „nicht-militant“ und militanten Menschen aufheben, so wie es zuletzt bei der Demonstration von Keyenberg nach Lützerath sehr gut geklappt hat. Wie lassen uns nicht spalten. Wir alle sind Lützerath, wir alle sind die ZAD Rheinland!

Bijî berxwedana Lützerath !

 

Ihr findet die oben angesprochene Broschüre hier: https://www.nationalismusistkeinealternative.net/broschuere-erschienen-turn-left-gegen-den-neuen-faschismus-und-den-nationalismus-der-mitte/

Mehr zur „Identitätren Bewegung“: https://nitter.net/ibdoku

Mehr zur „Neuen Rechten“ bei der Amadeu Antonio Stiftung: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/rechtsextremismus-rechtspopulismus/alter-rassismus-in-neuem-gewand-die-neue-rechte/

Eindrücke von Lützerath

Post von Marzii auf indymedia vom 28.3.22
Foto ist von uns.
Wenn ihr auch Beiträge einrichen wollt oder ihr kennt interessante Beiträge zur ZAD Rheinland, der Klimagerechtigkeitsbewegung oder anderen Themen die auf den Blog passen, dann schreibt uns gerne eine Mail:  Anarchists_luetzerath[ät]riseup.net

 

Am Anfang waren hier in Lützerath nur ein paar Menschen. Die Mahnwache bestand in den ersten Tagen nur aus ein paar Stühlen und Wasser in Kanistern. Dieses war angeregt durch den Teilabriss der L277, auf der es eine Blokade gab. Durch den Abriss dieses Teilstückes wurde die Rote Linie angegriffen. Die Rote Linie, welche das 1,5-Grad-Ziel markiert. Mich hat das Leben an diesem Ort sofort beeindruckt. Das andere Miteinander, als es überall in der breiten Gesellschaft üblich ist.

Ich war im Sommer 2020 das erste Mal an diesem Ort. An dem Ort, wo so viel Widerstand gewachsen ist. Der Ort, wo so viele Menschen miteinander leben und gemeinsam Widerstand aufbauen. Der Ort, wo Kohlebagger auf Aktivisti treffen- wo Aktivisti auf Kirchen im Dorf lassen treffen. Wo nicht nur radikaler Aktivismus stattfindet, sondern auch mit den Dorfbewohner*innen in der ZAD Rheinland ein Netzwerk aufgebaut wurde, welches nicht nur Lützerath, sondern alle bedrohten Dörfer am Tagebau Garzweiler II liegen.

Mein erster Eindruck von dem Ort, wo ich gleichzeitig auch den ersten “näheren” Kontakt mit einem Kohlebagger hatte, auch, wenn da noch ein Feld zwischen war, welches mittlerweile auch zerstört ist und der Boden teilweise abgebaggert wurde, war Wut. Ich war fürchterlich wütend. Ich war wütend und gleichzeitig froh; machtlos und gleichzeitig voller Tatendrang. Wütend darüber, dass die Regierung nichts dagegen tut und Datteln 4 eröffnet und froh darüber, dass Menschen zusammenkommen und sich dagegen stellen, Aufmerksamkeit erregen und es schaffen, Lützerath am Leben zu erhalten und machtlos, weil ich noch nie so eine große Zerstörung gesehen hatte und alleine der Blick in die Grube und auf den Bagger hat gereicht um meine letzten Bedenken, ob das denn so richtig ist, einfach etwas zu blockieren, zu zerstören. Ja, es ist richtig und wichtig angeblich systemrelevante Infrastruktur zu stoppen, wenn sie dem Planeten schadet und das tut sie. Und die Erde hat keinen Arzt, wo sie hingehen kann, wenn sie eine Wunde hat. Sie wehrt sich. Sie wehrt sich mit dem Klimawandel, der uns das Leben auf ihr irgendwann unmöglich macht.

Aber Lützerath ist nicht mehr das, was es 2020 war. Es ist weniger geworden und gleichzeitig ist es mehr geworden. Es sind weniger Häuser, unter diesen auch eine unschuldige Hütte und ein ehemaliger Bauernhof, aber dafür sind die anderen Häuser mittlerweile wiederbelebt und bunt. Es ist weniger von der L277 übrig, aber dafür ist der Widerstand gewachsen und stellt sich nun noch konsequenter gegen die Bagger und die weitere Kohleverstromung. Doch auch die Distanz zur Grube ist kleiner geworden. Sehr klein. Nur noch geschätzte 150 Meter trennen meinen Körper noch von der riesigen Baggerschaufel, wenn ich im Wendehammer stehe. Doch dann drehe ich mich um, höre Gehammer und Gesäge, irgendwo läuft Musik. Ich sehe die Baumhäuser in den Bäumen und Menschen, die überall rumwuseln. Und dann sehe ich den Wohnwagen an der Mahnwache, die Bierganiturtische davor, das Mawa-Zelt daneben und auf der anderen Seite vom Wohnwagen das rote Auto von der Feuerweht; unser “Lauti” und wenn ich dann wieder zur Grube blicke, fühle ich mich stärker.

Ich bin nicht alleine. Ich muss diesen Kampf nicht alleine führen, was ich auch nicht kann und möchte. Wir sind so viele und das ist empowernd. Wir kommen nach Lützerath, knüpfen Freund*innenschaften und stellen uns gegen das System. Gegen die weitere Kohleverstromung und dafür lohnt es sich, auch mal in der GeSa zu landen, oder einen Winter lang draußen zu sein, wenn ich nur so etwas erreichen kann.

Wenn es nur durch physischen Widerstand geht, dass TIere und Menschen nicht vertrieben werden, dann mache ich das. Und dann mache auch nicht nur ich das, sondern alle, die sich gegen das System stellen.