Eindrücke von Lützerath

Post von Marzii auf indymedia vom 28.3.22
Foto ist von uns.
Wenn ihr auch Beiträge einrichen wollt oder ihr kennt interessante Beiträge zur ZAD Rheinland, der Klimagerechtigkeitsbewegung oder anderen Themen die auf den Blog passen, dann schreibt uns gerne eine Mail:  Anarchists_luetzerath[ät]riseup.net

 

Am Anfang waren hier in Lützerath nur ein paar Menschen. Die Mahnwache bestand in den ersten Tagen nur aus ein paar Stühlen und Wasser in Kanistern. Dieses war angeregt durch den Teilabriss der L277, auf der es eine Blokade gab. Durch den Abriss dieses Teilstückes wurde die Rote Linie angegriffen. Die Rote Linie, welche das 1,5-Grad-Ziel markiert. Mich hat das Leben an diesem Ort sofort beeindruckt. Das andere Miteinander, als es überall in der breiten Gesellschaft üblich ist.

Ich war im Sommer 2020 das erste Mal an diesem Ort. An dem Ort, wo so viel Widerstand gewachsen ist. Der Ort, wo so viele Menschen miteinander leben und gemeinsam Widerstand aufbauen. Der Ort, wo Kohlebagger auf Aktivisti treffen- wo Aktivisti auf Kirchen im Dorf lassen treffen. Wo nicht nur radikaler Aktivismus stattfindet, sondern auch mit den Dorfbewohner*innen in der ZAD Rheinland ein Netzwerk aufgebaut wurde, welches nicht nur Lützerath, sondern alle bedrohten Dörfer am Tagebau Garzweiler II liegen.

Mein erster Eindruck von dem Ort, wo ich gleichzeitig auch den ersten “näheren” Kontakt mit einem Kohlebagger hatte, auch, wenn da noch ein Feld zwischen war, welches mittlerweile auch zerstört ist und der Boden teilweise abgebaggert wurde, war Wut. Ich war fürchterlich wütend. Ich war wütend und gleichzeitig froh; machtlos und gleichzeitig voller Tatendrang. Wütend darüber, dass die Regierung nichts dagegen tut und Datteln 4 eröffnet und froh darüber, dass Menschen zusammenkommen und sich dagegen stellen, Aufmerksamkeit erregen und es schaffen, Lützerath am Leben zu erhalten und machtlos, weil ich noch nie so eine große Zerstörung gesehen hatte und alleine der Blick in die Grube und auf den Bagger hat gereicht um meine letzten Bedenken, ob das denn so richtig ist, einfach etwas zu blockieren, zu zerstören. Ja, es ist richtig und wichtig angeblich systemrelevante Infrastruktur zu stoppen, wenn sie dem Planeten schadet und das tut sie. Und die Erde hat keinen Arzt, wo sie hingehen kann, wenn sie eine Wunde hat. Sie wehrt sich. Sie wehrt sich mit dem Klimawandel, der uns das Leben auf ihr irgendwann unmöglich macht.

Aber Lützerath ist nicht mehr das, was es 2020 war. Es ist weniger geworden und gleichzeitig ist es mehr geworden. Es sind weniger Häuser, unter diesen auch eine unschuldige Hütte und ein ehemaliger Bauernhof, aber dafür sind die anderen Häuser mittlerweile wiederbelebt und bunt. Es ist weniger von der L277 übrig, aber dafür ist der Widerstand gewachsen und stellt sich nun noch konsequenter gegen die Bagger und die weitere Kohleverstromung. Doch auch die Distanz zur Grube ist kleiner geworden. Sehr klein. Nur noch geschätzte 150 Meter trennen meinen Körper noch von der riesigen Baggerschaufel, wenn ich im Wendehammer stehe. Doch dann drehe ich mich um, höre Gehammer und Gesäge, irgendwo läuft Musik. Ich sehe die Baumhäuser in den Bäumen und Menschen, die überall rumwuseln. Und dann sehe ich den Wohnwagen an der Mahnwache, die Bierganiturtische davor, das Mawa-Zelt daneben und auf der anderen Seite vom Wohnwagen das rote Auto von der Feuerweht; unser “Lauti” und wenn ich dann wieder zur Grube blicke, fühle ich mich stärker.

Ich bin nicht alleine. Ich muss diesen Kampf nicht alleine führen, was ich auch nicht kann und möchte. Wir sind so viele und das ist empowernd. Wir kommen nach Lützerath, knüpfen Freund*innenschaften und stellen uns gegen das System. Gegen die weitere Kohleverstromung und dafür lohnt es sich, auch mal in der GeSa zu landen, oder einen Winter lang draußen zu sein, wenn ich nur so etwas erreichen kann.

Wenn es nur durch physischen Widerstand geht, dass TIere und Menschen nicht vertrieben werden, dann mache ich das. Und dann mache auch nicht nur ich das, sondern alle, die sich gegen das System stellen.

Aufarbeitung der Auseinandersetzungen am 24.2. und unserem Text dazu

Anarchists in Lützerath Collective – 10.6.22
Wir sprechen nicht für alle Anarchist*innen in Lützerath oder die ganze Besetzung, wir sind ein kleiner Zusammenschluss von Menschen aus der ZAD Rheinland.

 

 

Text als PDF: Reflektion-24-2


Inhalt:

  1. Vorwort
  2. Reflektion
  3. Analyse vom 24.2. und den Tagen danach
  4. Umgang mit staatlicher Gewalt und der „Militanz-Debatte“

 

1. Vorwort

Es sind nun einige Wochen nach dem Angriff der Cops am 24.2.22. vergangen, die Lage hat sich etwas beruhigt in Lützerath. Die Sonne wärmt uns und der Frühling hat Lützerath neu aufleben lassen. Die Menschen haben versucht das Erlebte aufzuarbeiten und zu reflektieren. Derweil entstehen an allen Ortseingängen in Lützerath wieder die Barrikaden, welche die Cops zerstört haben und es wird fleißig weiter gebaut. Die ZAD1 Rheinland wächst und gedeiht und das nicht nur auf dem gemeinschaftlichem Acker. Viele Diskussionen zu unserem Text und dem Angriff der Cops um dem Dumherum wurden geführt, einige leider auf einer sehr emotionen und uncoolen Ebene. Mittlerweile hat sich vieles wieder beruhigt, daher sehen wir es als guten Zeitpunkt die Diskussion von unserer Seite fortzuführen und auch über Fehler zu sprechen, die wir gemacht haben.

Uns haben einige Zusprüche, aber auch Widersprüche, Wut und kritische Meinungen erreicht zu unserem Text „Angriff auf Lützerath am 24.2.22 und was nun folgen muss“ vom 25.2. Wir wollen auf einige Punkte eingehen und euch einladen weiterhin mit uns ins Gespräch zu kommen. Schreibt uns dazu eine Mail an Anarchists_luetzerath@riseup.net

Uns ist es nochmal wichtig zu sagen das wir nicht alle Menschen, die sich als Anarchist*innen bezeichnen, in Lützerath repräsentieren. Hier gibt es viele verschiedene Strömungen und Meinungen und das ist auch gut so. Wir sind eine kleine lose Gruppe, die sich auf Lützerath als Zuhause bezieht und hier schon mehrere Monate wohnt und aktiv ist, sowie auch unterschiedliche Meinungen zu Dingen hat.
Es ist uns wichtig in einen Austausch miteinander zu kommen und unsere verschiedensten Arbeiten wertzuschätzen und zusammen zu bringen.

 

2. Reflektion

Einer der wichtigsten Kritikpunkte für uns war die der Instrumentalisierung von Hanau von weißen Menschen. Der Satz um den es ging war dieser:

Dazu kam noch, dass sich am Samstag der rechtsextreme Anschlag in Hanau zum zweiten mal jährte. (Solidarität mit allen BIPoC! – Feuer und Flamme dem rassistischem System!)

Diese Kritik nehmen wir an und uns tut unser unsolidarischer und unglaublich verletzender Umgang damit sehr leid. Als weiße Menschen können wir die Ungerechtigkeit in dem rassistischen System und die Polizeigewalt zwar sehen, aber können uns nicht anmaßen die Emotionen nach zuempfinden. Das ist rassistisch und übergriffig, da weiße Menschen nicht persönlich nachvollziehen können was Hanau bei von Rassismus Betroffenen für Schmerz auslöst. Wir wollten darstellen, was uns in den Tagen davor beschäftigt hat und da ist der zweite Jahrestag des Anschlags in Hanau ein Teil davon gewesen, da es ja zum Beispiel auch in Lützi ein Programm zum Thema Hanau, NSU und migrantischem Widerstand gab. Hanau zu erwähnen sollte nicht dazu dienen einen Grund für Gewalt zu liefern.

Gleichzeitig ist es nicht solidarisch, zu sagen, dass mensch solidarisch sei, aber dann Kämpfe von denen du kein Teil bist zu instrumentalisieren.

An dieser Stellen wollen wir explizit FLINTA*s und BIPoC einladen. Ihr seid hier herzlich willkommen und wir wollen die Kämpfe mit euch als Geschwister führen und miteinander leben!

Auch an dieser Stelle wirkt es so, als würden wir uns nur gerne antirassistisch darstellen. FLINTA2 und BIPoC3 werden als Aushängeschild genutzt, wie solidarisch wir seien, während das in der Praxis oft nicht klappt, da es nicht alle wichtig finden sich mit konkreten Unterdrückungsformen zu beschäftigen. Sich mit (dem eigenen) Rassismus, Sexismus und anderen Diskriminierungen zu beschäftigen, machen Nicht-Betroffene oft so, dass in der Praxis wieder Diskriminierungen reproduziert werden. Die Grundlage, nämlich der Wunsch nach einem herrschaftsfreien Leben, wäre da. Aber sich mit Diskriminierung zu beschäftigen wird oft als Nebenprodukt zu „unserem eigentlichen Kampf“ betrachtet. Anstatt die Wichtigkeit einzelner Kämpfe anzuerkennen, werden sie gegenüber den Kämpfen die auch weiße endo cis Männer betreffen untergeordnet. Wir haben das auch selbst bei uns gemerkt, dass es nicht reicht, etwas in der Theorie zu wissen. Anti-Rasissmus bedeutet auch sich selbst gegenüber kritisch zu sein und danach zu handeln.

Solche Sätze wirken aber auch unterschiedlich je nachdem wer das geschrieben hat. Wir sind teilweise auch FLINTA*-Personen und natürlich wollen wir andere FLINTA* dann auch herzlich einladen! Als ausschließlich weiße Menschen können wir das aber nicht so für BIPoC tun.

Wir befinden uns aktuell in einem laufenden Prozess um uns weiter mit dieser Kritik zu beschäftigen.

Ein weiterer Satz an dem sich Menschen gestört haben war wie über Mackertum und sexualisierte Gewalt geredet wurde.

(Ja, wir meinen euch beide, ihr scheiß übergriffigen Macker! Wagt euch her und ihr werdet nirgendwo mehr hingehen!).

Diese Aussage wurde von Menschen als Morddrohung verstanden. Das war absolut nicht unsere Absicht. Macker und übergriffige Personen sollen einfach keinen Platz in Lützerath haben und es sich hier nicht bequem machen können. Betroffene Personen sollen sich auch bestärkt fühlen, sich gegen sexualisierte Gewalt zu wehren. Die Aussage widerspricht der Awareness-Arbeit, vor dem Hintergrund eines Falles von sexualisierter Gewalt. Und hat in einem Fall zu erheblichen Problemen geführt. Das war unabgesprochen, unüberlegt und scheiße! Dafür wollen wir uns entschuldigen.

Auch wurde die Art, wie wir über Cops und Aktionen von Aktivist*innen gesprochen haben und Gewalt gegen Cops für gut befunden haben kritisiert.
Die Gründe für starke negative Emotionen gegenüber Cops sind sehr vielfältig. Menschen haben viele gewaltvolle Erfahrungen trotz „friedlichem“ Protest6 erfahren, haben Sexismus und Diskriminierung erfahren. Und auch Misshandlungen und Demütigungen in der Gesa7 oder Knast haben bei Menschen Spuren hinterlassen. Das löst bei der Konfrontation mit den Cops Gefühle wie Angst oder Wut aus. Dazu kommt die Situation in Lützerath, die von viel Ohnmachtsgefühlen und Frustration aus den letzten Monaten geprägt ist.

In verschiedenen Debatten, ob am Lagerfeuer oder im Plenum, wurde öfter gesagt, dass wir nicht-militante Aktionsformen abwerten würden. Wir wollen das mit unseren Texten nicht ausdrücken. Die ganze Debatte wurde aber auch sehr emotional geführt, dass sich auch Fronten verhärtet haben und Menschen sich bewusst nicht wertgeschätzt haben. Wir können uns nicht für Beiträge oder Stimmungen andere Menschen entschuldigen, die nur für sich selber gesprochen haben.

Wir schätzen alle Aktionsformen und sehen, wie wichtig diese im gesamten Kontext der ZAD Rheinland sind. Wir persönlich haben unsere Beiträge nicht so aufgefasst, das andere Aktionsformen abseits von Militanz schlecht sind. Im Gegenteil, jede Aktionsform stützt die andere. So können manche Militante Aktionen nur stattfinden weil Cops an anderer Stelle mit anderen Aktionsformen beschäftigt sind und beispielsweise gar nicht dort hinkommen wo sie hin wollen. So kann die Verteidigung der ZAD Rheinland mit verschiedenen Aktionsformen aufeinander aufbauen.

Wir müssen Wege finden diversity of tactics8 zu leben und alle Aktionsformen zusammen zu bringen. Das ist unsere Stärke. Wenn wir gemeinsam auftreten, macht das den Cops und dem Staat Angst. Es ist bekannt, dass gezielt versucht wird, soziale Bewegungen und Aufstände zu spalten, indem radikale Elemente von den „sozial akzeptablen“ Teilen isoliert und verurteilt werden. Wir können hier nur gemeinsam in Zusammenarbeit gewinnen. Dazu müssen wir anfangen auf Augenhöhe zusammen zu wachsen und Pläne zu schmieden.

Es wurde an uns heran getragen, dass dieser Text Gewalt verherrlichen würde. Das war nicht unsere Absicht. In früheren Texten haben wir geschrieben:

Dabei dürfen wir aber nicht in eine Romantisierung von Militanz verfallen. Diese muss gezielt und sinnvoll eingesetzt werden, dafür aber konsequent. Dabei ist auch noch zu sagen, dass wir Militanz nicht als Mittel zur Profilierung sehen und diese kritisch auf toxische Männlichkeit hinterfragen sollten.7

Wir wollen in einer Welt leben, in der keine Gewalt herrscht. Wir sehen nicht die Möglichkeit, dass die tagtägliche krasse Gewalt, die von dieser Welt ausgeht, nur durch friedliches Verhalten aufgehalten werden kann. Leider heißt das auch, dass militante Aktionen manchmal notwendig sind. Aktuell stehen wir immer noch einem zerstörerischen, herrschaftlichen System gegenüber, in Form von dem Milliarden (teils staatlichem) Konzern RWE, welcher geschützt durch die Staatsgewalt in Form von Polizei, die Natur ausbeutet. Die Gewalt geht dabei auch von der Polizei aus, die das System nicht nur schützt, sondern auch gewaltvoll durchsetzt. Hier geht die ursprüngliche Gewalt aus. Die Welt, von der wir träumen, können wir uns nur erkämpfen und das bedeutet leider auch immer wieder sich militant Räume zu erkämpfen und zu verteidigen.

Als am Donnerstagmorgen an der Bushaltestelle 30 Riot-Cops aufgetaucht sind, waren sie nicht zum Verhandeln gekommen, sondern haben sofort klar gemacht, dass sie alles tun werden, um die Aktivist*innen einzuschüchtern, sowie uns und unsere Strukturen anzugreifen. Im Laufe des Tages gab es auch immer wieder Menschen die mit den (Kommunikations-)Cops geredet haben. Die „Absprachen“, die dort getroffen wurden, wurden immer wieder von den Cops übergangen. Auch das hat dazu geführt, dass Menschen den Cops nicht getraut haben, was sich für uns auch noch nie als sinnvoll ergeben hat und die Menschen sich daher weiterhin verteidigt haben. Oft wurde in der Debatte gesagt, dass auf der „militanten Seite“ die Vorstellung herrscht, es bräuchte nur militante Aktionen damit Lützerath gerettet wird. Unsere Meinung nach ist das nicht so. Wir würden uns aber auch einen solidarischen Umgang mit militanten Aktionen wünschen und somit den Rückhalt spüren, den wir auch gerne nicht-militanten Aktionen geben. Denn oft werden militante Aktionen unsichtbar gemacht: zum Beispiel, dass nicht getickert wurde was genau an diesem Tag passiert ist oder nicht auf solidarische Weise von der Presse AG darauf reagiert wurde. Aber auch, dass dieser Widerstand vergessen wird, wenn Menschen als Beispiel behaupten, dass der Hambi oder Danni eine „friedliche“ Besetzung seien.

Nicht nur Anarchist*innen lehnen sich militant gegen die Cops auf. An diesem Tag hätten andere Anarchist*innen auch andere Aktionsformen gewählt. Sowie Menschen die sich nicht als Anarchist*innen bezeichen waren militant gegenüber den Cops. Anarchismus bedeutet nicht gleich militant sein! Anarchismus ist auch Carearbeit oder das Auseinandersetzen mit Diskriminierungen und Hierarchien, die wir alle noch fest in uns verinnerlicht haben. Militanz kann ein Teil von Anarchismus sein, muss es aber nicht für alle Menschen. Beides in einen Topf zu werfen bedient bloß das Klischee, dass Anarchist*innen nur gewaltbereite Chaot*innen sind.

Ein Kritikpunkt war wie wir einen Vergleich zwischen der ZAD Rheinland und Rojava gemacht hätten, dass dort andere Umstände vorhanden sind und mit Waffen gekämpft wird, was ja hier absolut unvorstellbar ist. Da ist uns nicht ganz klar woher diese Aussage kommt, da das Wort oder Thema Rojava nicht einmal in unserem Text vom 24.2. vorkommt. Eher wirkt es so als hätten Menschen einen anderen Text von uns zur Klimabewegung gelesen (siehe Link in den Fußnoten 4 und 9) und Verbindungen hergestellt die so gar nicht vorhanden sind.

Auch wie wir über Angst gesprochen haben und diese als Symbol für die Verhältnisse an dem Tag genutzt haben wurde kritisiert, beispielsweise in diesem Satz:

Die Angst hat an diesem Tag die Seiten gewechselt – das macht uns Hoffnung und gibt uns Kraft für die kommenden Kämpfe.

Es hat auf einige Menschen so gewirkt, als würden die Aktion Angst verbreiten wollen was sie grundsätzlich abgelehnt haben, es sei schlecht dass Cops Angst haben. Einige Menschen in Lützerath wollen nicht dass Angst ein Teil vom Aktivismus ist: „Wir wollen nicht dass die Cops oder andere Menschen Angst vor uns haben“

Der ganze Absatz wirkte auf Menschen gewaltverherrlichend und ignoriert, dass Menschen in Lützi auch Angst hatten vor den beteiligten militanten Aktivist*innen und das nicht nur die Polizei Angst hatte. Es wäre schön gewesen, diese Perspektive auch noch dabei zu haben und genau das anzuerkennen.
Weiterhin wurde kritisiert, dass die
Angst welche die Seiten gewechselt hat nur Copps als Individuum getroffen hat, was aber höhere Entscheidungsstrukturen des Staates nicht davon abgehalten hat den Einsatz weiter zu führen. Sowie, dass nur die Cops am Anfang Angst hatten, aber die danach hatten dann trotzdem die Mittel gewaltvoll zu sein und uns zurückzudrängen, sowie Strukturen zu zerstören.
Auch wurde angemerkt, dass
zu akzeptieren, dass in der Klimabewegung Angst ein ständiger Begleiter ist (Beispielsweise vor Klimawandel, Cops, Gewalt) und das dies auch sehr viele Emotionen bei Menschen hervorrufen kann.

Wir respektieren diese Gedanken und Gefühle, da jedes Individuum anders mit Emotionen umgeht. Und wollen an diese Stelle keinem Menschen Emotionen und Gefühle absprechen.

Unsere Perspektive sieht etwas anders aus, dass mag an Erfahrung oder Zielen liegen. Oder daran welche Prozesse wir schon gemacht haben, welche für andere noch völlig unbekannt sind.
Für uns war diese Angst von Cops angegriffen zu werden ein Motivator aktiv zu werden un
d sich zu wehren, denn Angst kann auch Energie geben. Als Menschen gemerkt haben, dass die Angst in diesem Moment die Seiten gewechselt hat, haben Menschen sich in der Aktion bestärkt gefühlt. Und dies hat gezeigt, dass der Staat und die Polizei verwundbar sind und Angst haben können, wir wollen nicht akzeptieren dass wir nichts gegen den Staat tun können und in der Angst versinken, sodass wir durch jeden Streife oder Wanne eingeschüchtert sind. Wir sind wesentlich stärker als Gemeinschaft wie wir oft denken und das konnte an diesem Morgen gut beobachtet werden. Die viel herauf beschworene Phrase „Polizei abschaffen“ können wir nur umsetzen wenn wir die Polizei unnötig und wirkungslos machen und letzteres haben wir teilweise an diesem Morgen erreicht. Ersteres lässt sich nur durch den langen und kontinuierlichen Aufbau von Strukturen in unserer Gemeinschaft, abseits von Aktionen, erreichen.

Für uns sind die Cops nich nur Angestellte oder „auch nur Menschen“. Sie verkörpern eine Institution den täglich Gewalt, Rassismus, Sexismus zu uns und vielen unterdrückten Menschen bringt. Wer sich entscheidet bei der Polizei zu arbeiten, der entscheidet sich auch dieses zerstörerische, toxische System aufrecht zu erhalten und uns, die es abschaffen wollen, anzugreifen und als Feinde zu sehen.

Rückblickend ist der Tag nur teilweise erfolgreich gewesen, denn jede Aktion die Verhaftungen oder Traumata bei Menschen hinterlässt kann nicht erfolgreich sein. Wir müssen mit einander lernen wie wir traumatische Erlebnisse und Verhaftungen verhindern können, sodass wir alle gestärkt aus Aktion heraus gehen. Soweit wir es konnten haben wir uns um Menschen gekümmert denen es am Ende des Tages nicht gut, wobei wir natürlich nicht alles auffangen konnten.

Meldet euch wenn ihr über das erlebte Sprechen wollt oder immer noch Schwierigkeiten habt es zu verarbeiten.

3. Analyse vom 24.2. und den Tagen danach

Die Community in Lützerath hat es seit Monaten verpasst sich zu organisieren und Pläne für solche Angriffe der Cops zu finden. Trotz anstehender möglicher Räumungsversuche gab es fast keine Auseinandersetzung, wie es aussehen kann, wenn Cops hier mit vielen Truppen und Geräten auftauchen. Es ist bis heute unklar was die Strategien sind. Viel zu spät haben wir überhaupt angefangen darüber zu reden was sich hier in Lützerath alles anbietet. Möglichkeiten für Notfall-Pläne für Polizeieinsätze sind im Sande verlaufen und auch in den Bezugsgruppen wurde nicht richtig darüber geredet. Nur wenige Menschen haben sich Gedanken dazu gemacht, wie es möglich ist Lützerath zu verteidigen. Immerhin stellen wir uns als eine ZAD gegen Milliardenkonzerne und den Staat.


Als Menschen angefangen haben feste Barrikaden zu bauen, einige Zeit vor dem Angriff der Cops, wurden sie dafür kritisiert, dass sie das Dorf unschön machen würden und deswegen der Gerichtsprozess negativ ausgehen könnte. Jetzt wo wir einen ernsthaften Angriff der Cops erlebt haben, haben wir gesehen, dass es diese festen Barrikaden braucht, um sich zu verteidigen, egal welche Form der Verteidigung Menschen bevorzugen. Und wieso verlassen wir uns eigentlich auf die Legitimität des Staates in Form von Gerichtsentscheidungen? Der Staat ist niemals auf unserer Seite!4

Was an dem Tag leider nicht geklappt hat, waren Tripods, den Südstern oder andere Stellen zu besetzen oder zublockieren. Dazu kommt, dass die Cops durchs Dorf laufen konnten ohne dass sie daran irgendwie gehindert wurden, was möglich gewesen wäre. Das waren Situationen wo Menschen andere Aktionsformen hätten ausführen könne, was wir natürlich sehr begrüßt und unterstützt hätten.

Den Menschen aus den besetzten Häusern5 und bestimmt auch vielen anderen im Dorf ist es wichtig in solchen Situationen Sicherheiten zu haben, denn es war den Tag über nie klar wie weit die Cops gehen, ob sie „nur“ die Barrikaden an den Dorfeingängen zerstören oder auch mehr Strukturen angreifen. Die besetzten Häuser sind zu jeder Zeit räumungsbedroht, daher leben die Menschen dort mit ein Stresspegel, welchen andere Menschen an anderen Stellen, an denen sie leben, vielleicht nicht haben, da das Camp zum Beispiel noch Eckard gehört und somit geduldet ist. So ist es verständlich, wenn Menschen nicht auf Gesprächsergebnisse mit den Cops warten, während die Cops immer weiter ins Dorf vorrücken. Und es eh klar sein dürfte, nach jahrelanger Erfahrung in solchen oder ähnlichen Situationen, dass die Cops nicht kommen um uns nach Erlaubnis zu fragen.

Es sind leider immer wieder die „vermummten Menschen“ im Camp, die sich bei solchen Debatten für Militanz rechtfertigen müssen oder allein schon als die militante Masse gesehen werden. Vor allem in den Tagen nach dem 24.2. ist aufgefallen, dass oft auf solche Menschen zugegangen wird, in der Erwartung, diese sei Teil einer festen Gruppe und in der Lage darüber aufzuklären, wer nun für was verantwortlich ist. Dabei ist Vermummung nicht gleich Militanz! So ist Vermummung im Dorf und in Aktionen ein Mittel um die eigene Identität zu schützen und somit der Versuch Repressionen zu entgehen. Und tatsächlich wäre es zum Schutz alle besser wenn sich alle, auch abseits von Aktionen, vermummen. Menschen vor Repressionen zu schützen liegt doch in unser aller Interesse oder ?
Auch gibt es keine Personen bei solchen oder anderen Aktion, welche die Verantwortung tragen. Es hat sich am 24.4. um eine autonome Aktion gehandelt, in der alle selbständig und eigenverantwortlich gehandelt haben. Ob und inwiefern das eigene individuelle Handeln gut war liegt dann an der Redelektion der Person und ihrer Bezugsgruppe.

Das Vorgehen bis jetzt in Lützerath bei solchen Debatten gehandhabt wurde; sich in großen Plena zu treffen, bei denen meist nicht auf Sicherheitsbedürfnisse geachtet wird, ist auch zu hinterfragen. So ist auch ein Unterschied, ob mensch öffentlich in Plena sagt, dass mensch für zivilen Ungehorsam ist oder auch militante Aktionen gut findet oder sogar ausführt – es ist einfach ein höheres Repressionsrisiko, dass es auch wieder schwer macht, öffentlich über diese Dinge zu reden. Zum Beispiel kann Solidarität mit militanten Aktionen auch bedeuten, sich in großen öffentlichen Plena zu vermummen damit alle freier sprechen können und Menschen nicht wegen ihrer Kleidung in verschiedene Meinungsgruppen eingeordnet werden können. Das könnte einen lebhafteren und auf Augenhöhe stattfindenden Diskurs ermöglichen.

Die ganze Diskussion hat bei einigen Menschen auch Ängste ausgelöst dass sie keinen Rückhalt und keine Solidarität bei militanten Aktionen bekommen. Sodass diese beim nächsten Mal vielleicht eher auf eigene Faust agieren, statt Aktionen mit dem Dorf zu besprechen, da die Wahrscheinlichkeit gering ist Rückhalt zu erfahren, sondern eher kritisiert zu werden.
Jedes Mal da zu stehen und sich für seine Meinung rechtfertigen zu müssen, in einem Raum, der sich nicht sicher anfühlt und leider auch sehr emotional aufgeladen ist, ist anstrengend und zermürbend. Wir würden uns wünschen diesen Austausch nicht auf Personen lasten zu lassen, die es schaffen sich mit ihrem „Gesicht“ hinzustellen. Gleichzeitig können auch nicht alle Menschen vor großen Gruppen reden und es macht Diskussionen und Rückfragen bei so einem emotionalen Thema nochmal schwieriger. Lasst uns überlegt und auf Augenhöhe miteinander kommunizieren, anstatt unsere Meinung als die Stärkste im Plenum „durch zuboxen“.

Wie es sich vielleicht schon raus lesen lässt war der Diskurs alles andere als gut an den Tagen nach der Verteidigung des Dorfes. Es gab eine Schlammschacht um die Meinungshoheit und wer die stärkste oder verurteilendste Meinung hatte schien scheinbar einen Preis zu gewinnen. So wurde falsche Behauptungen aufgestellt und Leute, auch wenn sie nicht persönlich bekannt waren, scharf angegangen, dass war sehr belastend – für alle. Es wurde der Fehler gemacht voller Emotionen in großen Plena sich unüberlegte Meinungen an den Kopf zu werfen.
Wir brauchen eine bessere Diskussionkultur, die auch Fehler zu lässt und sich mehr Zeit nimmt. Und wir brauchen dabei mehrere Menschen die versuchen neutral zu bleiben und eine ruhige Moderation von Diskussionen schaffen. Ein Vorschlag wäre es bei so etwas sich erst einmal in Ruhe mit der Bezugsgruppe oder dem Barrio zusammen zusetzen und sich auszutauschen. Ohne dabei feste Meinungen entwickeln zu müssen, um diese dann im Dorf zu vertreten. Sondern um sich mit den Menschen, die wir gut kennen und besser einschätzen können, erst einmal emotional und informell auszutauschen. Danach kann der Diskurs in Plena, Podcasts, Flyern oder Texten geführt werden. Und das möglichst so das er zugänglich und barrierefrei ist.

Gewalt, wie es so schön genannt wird, ist nicht immer eine Lösung und Militanz auch nicht für alle die gewählte Aktionsform, sowie nicht immer die für den Moment beste Aktionsform. Und was an diesem Tag passiert ist, ist auch nicht für alle eine angenehme Situation gewesen und Menschen wurden davon hart getroffen, sowohl emotional als auch körperlich. Wir müssen uns austauschen, über unsere Wahrnehmungen und Emotionen diesbezüglich sprechen, um in Zukunft die ZAD Rheinland gemeinsam verteidigen zu können, alle auf ihre Weise.

 

4. Umgang mit staatlicher Gewalt und der „Militanz-Debatte“

Die Debatte im Nachgang des 24.2. hat uns verdeutlicht, dass wir darüber reden müssen wann und wie Militanz ein sinnvolles Mittel sein kann um bestimmte Ziele zu erreichen. Dafür fehlt es aber an Strategien, Ideen und Wissen. Wir wollen uns selbst und andere nicht in Gefahr bringen, sondern gezielt ansetzen um das System aus den Angeln zu heben.
Wir sind der Meinung, dass Staat und Kapitalismus uns niemals gegen die Klimakrise helfen werden, denn das würde ihrer ausbeuterischen, neokolonialen, kriegerischen Natur widersprechen. Leider können wir seit Jahrzehnten sehen, dass es nur schlimmer wird und dass die Staaten und Unternehmen den Planeten an die Wand gefahren haben. Und kein Interesse daran gezeigt haben etwas zu ändern was helfen würde.

Was uns zum Morgen des 24.2. aufgefallen ist, ist das es massiv an Erfahrung und Fähigkeiten in Konfrontationen mit den Cops fehlt. Wir müssen dringend anfangen diese Wissenshierarchien abzubauen. Das bedeutet nicht, das wir allen Leuten beibringen wollen militant zu sein und die Menschen dazu bringen wollen gewaltvoll zu handeln. Sondern dass Menschen verstehen, was passiert, wieso Dinge passieren und vor allem wie die Handlungen der Cops einzuschätzen sind. Damit Menschen nicht in Situationen kommen, die sie überfordern oder in denen sie sogar festgenommen werden. Es wäre wichtig herauszufinden, wo die Schwächen und Stärken der Cops sind wenn wir unsere Ziele erreichen wollen.

Wichtig ist uns: Die Cops und der Staat sind niemals Kooperationspartner*innen, mit ihnen zu interagieren schwächt immer jede unserer Positionen. Egal welche Aktions oder Protestform wir wählen oder wo wir aktiv sind. Auch sind sie niemals freundlich uns gegenüber eingestellt, nur weil sie gegenüber Menschen so tun als wären sie das. Die Cops haben professionell geschultes Personal, was genau darauf spezialisiert ist durch Gespräche und vermeintliche „rettende“ Angebote oder Kompromisse den Widerstand zu spalten. Und diese Spaltung zielt immer auf die Abgrenzung der „nicht-militanten“ Aktivist*innen gegenüber den „militanten“ Aktivist*innen ab.
Es ist gefährlich zu denken, dass wenn Aktivist*innen friedlich auftretet und deeskalieren, die Cops ihnen freundlich(er) gegenüber stehen. Denn wie wir schon hunderte Male, in anderen (Wald-)Besetzungen, gesehen haben, unter anderem auch am 24.2. in Lützerath, die Cops machen keinen Unterschied und greifen jeden Mensch willkürlich an. Sie machen dabei kein Unterschied zwischen jung oder alt, vermummt oder unvermummt.
Wir müssen darüber reden, wie unsere Gefühle auch unsere Aktionsarten bestimmen: Angst zu haben kann bedeuten, sich militant wehren zu wollen, aber auch eben sich nicht gewaltvoll zu verhalten. Auch kann, egal welche, Angst lähmen oder zu falschen Entscheidungen führen. Anstatt uns zu verurteilen, müssen wir über unsere Gefühle, unsere Taktiken und die ganze Gewalt die wir erleben, reden. Und zwar jetzt und nicht wenn wieder Cops in der ZAD auftauchen.

(National-)Staaten und Kapitalismus sind von Grund auf gewalttätig. Und wir werden in dieser kaputten Welt so sozialisiert, dass wir Gewalt immer wieder auf die ein oder andere Art reproduzieren. Das wollen wir ändern! Dafür müssen wir dieses toxische Systeme aber los werden und neue Gesellschaften aufbauen.
In den letzten Jahrzehnten hat der Staat gezeigt, dass er friedlichem Protest kleine Stücke zu wirft, damit dieser ruhig gestellt ist. Rebellierender Protest hingegen macht dem Staat Angst und diesen kriminalisiert er und greift er an, weil der Staat genau weiß das sich ein solidarischer, starker Protest wie ein Lauffeuer ausbreiten kann, wie wir in den letzten 12 Jahren vom arabischen Frühling über Südamerika bis zu dem BlackLivesMatter Protesten sehen konnten. Beispiele aus unserem Näherem Umfeld sind der Widerstand im Hambi und im Danni, als Tausende in und um den Wälder auf verschiedenste Art aktiv waren. Egal ob Anarchist*innen, Antifaschist*innen oder Klimaaktivist*innen. All diese Bewegungen machen dem Staat Angst, denn sie wollen das System und die Gesellschaft grundlgegend ändern, sodass den Herschenden die Macht genommen wird. In sozialen Bewegungen liegt unglaublich viel Kraft.
Wir müssen viele werden ohne unsere revolutionären Wünsche zu verwässern nur um akzeptiert zu werden. Wir sind ein antikapitalistischer Protest, dass bedeutet, dass ALLE Parteien und Konzerne uns immer feindlich gegenüber stehen. Wir müssen es schaffen, dass der Staat es sich nicht traut Lützerath anzurühren. Und das nicht weil das Medienecho schlecht ausfällt oder Wählerstimmen verloren gehen, sondern weil dem Staat hier eine Niederlage droht, die seine Macht zerbröseln lässt.

Lasst uns herausfinden wie sich verschiedene Aktionsformen gegenseitig unterstützen und begünstigen können. Militante Aktionen können viele Cops binden damit andere Menschen an anderer Stelle handeln können. Lasst uns daher also Wege finden wie alle unsere Aktionsformen und Strategien dazu beitragen, dass wir viele sind und immer mehr werden, damit wir die Stärke als Bewegung entwickeln können, um den staatlichen und kapitalistischen Normalzustand zu überwinden.
Um das zu erreichen reicht es nicht aus nur die ZAD Rheinland zu verteidigen und zu einer autonomen Zone zu machen, sondern wir müssen den Staat, seine Institutionen und das kapitalistische System unnötig machen, damit wir es abschaffen können. Das sind leider sehr viele Stellen an denen wir arbeiten müssen. Angefangen bei patriarchalen Verhältnissen und Rassismus welche wir, auch in Lützerath, noch reproduzieren. Bis hin zur Polizei, Gefängnissen und der Lebensmittelindustrie, sodass wir komplett selbstorganisiert unser Leben von unten gestalten können.

Wir glauben es ist wichtig, einen regelmäßigen emotionalen Austausch im Camp über Angriffe der Cops und wie es uns damit geht zu haben. Was nicht hilft ist Frust und Wut nach Aktionen aneinander abzulassen, große Plena mit emotionalem Stress abzuhalten und uns dabei anzugreifen. Wir müssen uns auch kritisieren, diskutieren und auch anerkennen, dass an diesem Tag viele Dinge nicht gut gelaufen sind. Aber an allen Plenas nach diesem Donnerstag wurde weder darüber gesprochen, was genau an diesem Tag chronologisch passiert ist noch was wir alle (!) von diesem Tag lernen können. Das hat es schwer gemacht zu verstehen was passiert ist an diesem Tag wenn Menschen selber nicht da gewesen sind. Außerdem finden wir es problematisch, dass der „Angriff vom 24.2.“ Text des Anarchists in Lützerath – Blogs nie in Plena vorgelesen wurde, aber Grundlage der ganzen Debatte und mehrerer Antworttexte war.

Der Text der auf der Dorfvernetzung am Sonntag vorgelesen wurde, spielt total in das Klischee rein, dass Menschen die Militanz legitim finden bloß gewaltbereite Chaot*innen sind. Wir finden das sehr schade und auch schädlich, da damit auch wieder eine Trennung zwischen Menschen aufgemacht wird die es gar nicht so gibt.

Gleichzeitig war es auch sehr unklar, ob der Text eben die militanten Leute vom 24.2. anspricht, Leute die militante Aktionen nur gut finden, das gesamte Anarchists in Lützerath Kollektiv, die Verfasser*innen des Textes oder alle Anarchist*innen hier, die nichts mit dem Blog zu tun haben.

Wie wir auch schon geschrieben haben: wir sehen uns nicht als Parallelstruktur zu Camp, noch denken wir, dass wir alles besser wissen. Ganz im Gegenteil, nachdem 24.2. haben wir einige Dinge getan, die uns selbst gelähmt haben und die wir erst aufarbeiten mussten. Wir wollen niemensch nicht gegeneinander ausspielen, sondern zusammen wachsen. Und dabei unsere Vorurteile abbauen, denn umso besser wir uns kennen und lieben lernen, umso stärker werden wir. Nur hatten wir leider das Gefühl, das genau das Gegenteil in den Streitereien nach dem 24.4. passiert ist.

Aus irgendwelchen Gründen sind Lager entstanden, die eigentlich keinen Sinn ergeben und Menschen haben sich angegriffen gefühlt und sich in „Verteidigungspositionen“ begeben. Wir wollen unsere verschiedenen Strategien, Taktiken, Ansichten als Stärke begreifen und Gegensätze aushalten.

Das einzige „wir“ und „die“ was wir aufmachen sollten ist wir, als alle menschen in der ZAD Rheinland und unsere Gefährt*innen, gegen RWE und den Kapitalismus. Gleichzeitig sind wir kein vereinter Widerstand in Lützerath und das ist auch gut so! Es soll nicht das Ziel sein, dass alle die gleiche Meinung zu haben. Wir leben von unserer Vielfalt.

Aber auch wenn es in der letzten Zeit sehr stressig war, und dieser Tag und diese Debatte Menschen ermüdet und kaputt gemacht hat, haben wir eine gemeinsame Grundlage. Wir alle wollen dieses Dorf erhalten und auch wenn wir unterschiedliche politische Ansichten haben mögen, in der Praxis schaffen wir es uns selbstbestimmt nach Bedürfnissen zu organisieren – und das ist eine unglaubliche Sache, die wir bei aller Kritik und allen heftigen Streits auch nicht vergessen dürfen.

Wir wollen Strategien und Taktiken vereinen. Damit „das gute Leben für alle“ in Lützerath langfristig möglich ist. Lasst uns gemeinsam überlegen, wie wir den reibungslosen Ablauf der Kohlemaschinerie stören können!

Bijî berxwedana Lützerath – Es lebe der Widerstand in Lützerath !

 

1) ZAD: zone à défendre, französich: zu verteidigendes Gebiet

2) FLINTA* steht für Frauen, Lesben, Inter, nicht-binäre, trans* und Agender. Dies ist ein Sammelbegriff für verschiedene Gruppen die im Patriachat unterdrückt werden. https://frauenseiten.bremen.de/blog/was-ist-eigentlich-flinta/

3) BIPoC steht für Black, Indigenous and People of Colour, auf deutsch: Schwarze, indigene und nicht-weiße Menschen, also ein Sammelbegriff für Personen die von Rassismus unterdrückt werden.

4) Unsere Meinung zu Gerichten findet ihr im Text „Wohin gehen wir und was wollen wir eigentlich?“ auf Seite 5: https://anarchistsinluetzi.blackblogs.org/2022/01/31/wohin-gehen-wir-und-waswollen-wir-eigentlich-uber-die-klimabewegung-und-wo-sie-hin-kommen-kann/

5) In Lützerath gibt es vier besetzte Häuser, das Leben darin wird von Staat und Cops kriminalisiert und die Menschen die in diesen Häuser wohnen wollen nicht geräumt werden, sondern haben dort ein Zuhause gefunden und sind somit, wie viele andere die hier leben und sonst keinen anderen Ort haben zu dem sie können, Anwohner*innen.

6) „Friedlicher“ Protest

7) Gesa = Gefangenen Sammelstelle, in die Menschen bei Räumeung oder Aktionen bei Festnahmen zur Identitätsfeststellung gebracht werden, meist Polizeiwachen verteilt im Bundesland

8) diversity of tactics, englisch: DiversitätVielfältigkeit von Taktiken

9) Auszug aus: „Wohin gehen wir und was wollen wir eigentlich?“: https://anarchistsinluetzi.blackblogs.org/2022/01/31/wohin-gehen-wir-und-waswollen-wir-eigentlich-uber-die-klimabewegung-und-wo-sie-hin-kommen-kann/